Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Unterwegs im philippinischen Behördendschungel

Vor­stel­lung und Wirk­lich­keit pas­sen nicht immer so ganz zusam­men. Statt Aben­teu­er im phil­ip­pi­ni­schen Urwald zu erle­ben, ging es für mich erst ein­mal auf Expe­di­ti­on in den phil­ip­pi­ni­schen Behör­den­dschun­gel.  

Sat­tes Blatt­grün soweit das Auge reicht; Urwald­rie­sen, die sich bis zum Him­mel erstre­cken; das Blit­zen der Augen einer Schlan­ge aus dem Dickicht und mit­ten­drin ich, die sich in feins­ter Tar­zan­ma­nier von Lia­ne zu Lia­ne han­gelt… Ver­träumt hän­ge ich mei­nen Urwald-Fan­ta­si­en nach. In Wahr­heit befin­de ich mich aller­dings im Immi­gra­ti­on Office, wo ich die nächs­ten Wochen und wohl sogar über das gan­ze Jahr hin­weg ein häu­fi­ger, aber nicht gern gese­he­ner Gast sein wer­de.

Bei mei­nem ers­ten Anlauf end­lich mein Visum zu bekom­men, bin ich, nach­dem die ers­te Hür­de des Aus­fül­lens, Kopie­rens und Beschaf­fens zahl­rei­cher Doku­men­te mit den unnö­tigs­ten Anga­ben genom­men war – inwie­fern sind Din­ge, wie Grö­ße, Gewicht oder eth­ni­sche Zuge­hö­rig­keit end­schei­dend für die Bewil­li­gung eines Visums? — kläg­lich an der hie­si­gen Arbeits­ein­stel­lung geschei­tert: Man mache heu­te spon­tan vier Stun­den frü­her Schluss.

Einen Tag spä­ter ste­he ich schließ­lich, nach einer Stun­de Anfahrt, noch vor Öff­nung der Türen vorm Office. Wer jetzt glaubt, dass ich folg­lich sofort dran­ge­kom­men bin, irrt lei­der. Die Beam­ten müs­sen ja erst noch Kaf­fee­pau­se machen.

Wäh­rend bereits so man­cher mei­ner Mit-War­ten­den sein Tem­pe­ra­ment nicht mehr im Zaum hal­ten konn­te und als Stra­fe eine noch län­ge­re War­te­zeit auf­ge­brummt bekom­men hat, sit­ze ich vier Stun­den und drei War­te­num­mern spä­ter, sowie 15000 Peso und eini­ge Ner­ven ärmer wie­der im Boot zurück nach Gui­ma­ras.

Nächs­te Woche muss ich zu einer Anhö­rung wie­der ins Immi­gra­ti­on Office. Bevor sich mei­ne Urwald­träu­me also erfül­len, wer­de ich mich wohl wei­ter an Akten­sta­peln statt Urwald­rie­sen und Papier­kram statt Blatt­grün satt­se­hen und mich statt von Lia­ne zu Lia­ne wohl von War­te­num­mer zu War­te­num­mer han­geln müs­sen.

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