Freiwilligendienst, Maike in Lettland
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Essen, Trinken, Tanzen – lettische Kultur und Traditionen

Wenn man die let­ti­sche Geschich­te ein­mal betrach­tet, fällt es schwer zu glau­ben, dass es eine ein­heit­li­che kul­tu­rel­le Iden­ti­tät wirk­lich gibt. In ande­ren Län­dern wer­den Gebäu­de, die für bestimm­te Beset­zun­gen oder Erobe­rer ste­hen, ger­ne abge­ris­sen – fin­ge man damit in Riga an, wäre von der Stadt schon bald nichts mehr übrig. Und trotz­dem scheint es eine all­ge­mei­ne Men­ta­li­tät und Kul­tur zu geben. 2018 heißt 100 Jah­re let­ti­sche Unab­hän­gig­keit und damit ist es das per­fek­te Jahr, um let­ti­sche Kul­tur zu entdecken.

Eine Fra­ge, die mir ziem­lich häu­fig gestellt wird, ist die nach dem alt­be­kann­ten Phä­no­men „Kul­tur­schock“. Und so sehr man­cher Fra­gen­stel­ler dann auf die Aus­ma­lung von Ver­wir­rung und gro­ßen Unter­schie­den mei­ner­seits hofft, einen rich­ti­gen Kul­tur­schock kann man als Deut­sche in Lett­land schwer erle­ben. Das liegt wohl vor allem dar­an, dass die deut­sche Kul­tur lan­ge Zeit gro­ßen Ein­fluss auf das Bal­ti­kum hat­te, was vor allem in Bezug auf die Ess­kul­tur auf­fällt. Kar­tof­feln, Brot, Schnit­zel, Sauer­kraut – dass außer­dem die Namen vie­ler Gerich­te dem Deut­schen ähneln, macht mir das Leben schon leichter. 

Beson­ders stolz sind die Let­ten auf ihr dunk­les Rog­gen­brot – eine Begeis­te­rung, die ich eher weni­ger tei­len kann. Ähn­lich schwie­rig fällt mir das Genie­ßen von kefīrs. Bis jetzt konn­te mir noch nie­mand erklä­ren, was genau es mit die­sem Getränk auf sich hat – wenn man sich eine Mischung aus Milch und Joghurt mit dem Geschmack von Sauer­creme vor­stellt, kommt man aber wohl rela­tiv genau heran. 

Ande­re typisch let­ti­sche Pro­duk­te sind außer­dem kva­sa (in etwa alko­hol­frei­es Bier aus Rog­gen­brot) und špro­tes (viel­leicht ver­gleich­bar mit Ölsar­di­nen im Minia­tur­for­mat). Die Bier­kul­tur in Lett­land bräch­te tra­di­ti­ons­be­wuss­te Deut­sche wohl außer­dem ins Schwit­zen. Die Let­ten brau­en ger­ne – sind jedoch weit­aus expe­ri­men­tel­ler als das in Deutsch­land denk­bar wäre. So besteht ein Bier hier nicht nur rein­heits­ge­bots­ge­treu aus Malz, Hop­fen, Hefe und Was­ser, son­dern bekommt von Zuta­ten wie Him­bee­ren, Johan­nis­bee­ren oder Honig noch eine ganz eige­ne Note. Gene­rell gilt für die let­ti­sche Küche: def­tig mit viel Fleisch, Milch­pro­duk­ten, Kar­tof­feln und Brot. 

Doch Lett­land ver­fügt auch noch über ein kul­tu­rel­les Erbe, das weit­aus älter ist als deut­sche Besat­zun­gen und Ein­flüs­se. Dabei han­delt es sich um Über­bleib­sel aus der vor­christ­li­chen Zeit: heid­ni­sche Sym­bo­le und Fes­te sowie Volks­tän­ze und Volks­lie­der. So ist zum Bei­spiel das Mitt­som­mer­nachts­fest Jāņi wich­ti­ger als Weih­nach­ten und die Teil­nah­me an Volks­tanz­grup­pen ein belieb­tes Hob­by bei Jung und Alt. Bei let­ti­schen Fes­ten kann jeder spon­tan mit­tan­zen, da die Schrit­te zu den dai­nas (Volks­lie­dern) meist ziem­lich ein­fach gehal­ten sind.

Es gibt aber natür­lich auch spe­zi­el­le Auf­füh­run­gen durch Volks­tanz­grup­pen, selbst­ver­ständ­lich in büh­nen­taug­li­chen Outfits: 

Die alten heid­ni­schen Sym­bo­le sind stets im Trend und wer­den durch Müt­zen, Pull­over, Ket­ten oder Tat­toos ger­ne zur Schau gestellt. Beson­ders befremd­lich ist für mich immer noch die Tat­sa­che, dass auch die Swas­ti­ka (aka das Haken­kreuz) als eines die­ser glück- und heil­brin­gen­den Sym­bo­le ange­se­hen wird und dem­entspre­chend zur Schau gestellt wird. Als ich das ers­te Mal jeman­den mit Haken­kreuz-Ket­te auf der Stra­ße sah, war ich unglaub­lich geschockt. Mitt­ler­wei­le kann ich zwar nach­voll­zie­hen, dass die­ses Sym­bol für die Let­ten eine viel älte­re Bedeu­tung und Tra­di­ti­on hat, dar­an gewöh­nen wer­de ich mich so schnell aber wohl nicht. An den Tou­ris­ten­stän­den in Riga, die ihr Geschäft mit dem Ver­kauf eben­sol­cher Glücks­brin­ger machen, wird – kul­tu­rell ganz auf­merk­sam – jedoch auf die Ver­wen­dung der Swas­ti­ka in Rein­form verzichtet. 

Alles in allem kann ich bis jetzt sagen, dass let­ti­sche Kul­tur und Tra­di­tio­nen viel zu bie­ten haben. Sie wir­ken außer­dem sehr authen­tisch auf mich, da sie nicht nur als Tou­ris­ten­fän­ger ein­ge­setzt, son­dern auch von der loka­len Bevöl­ke­rung aus­ge­übt und zele­briert wer­den. Let­ten sind unglaub­lich stolz auf ihr Land, ihre Kul­tur und alten Tra­di­tio­nen. Des­we­gen freue ich mich schon dar­auf, mehr über die Bräu­che zu erfah­ren und selbst dar­an teilzunehmen. 

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