Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Linggo ng Wika: der Monat der Sprache

Was wür­de ich zur­zeit dafür geben auch nur ein ein­zi­ges, win­zi­ges Wört­chen Hohen­lo­hisch zu hören? Hier in der Frem­de bedeu­tet für mich jedes Wort in mei­nem Dia­lekt ein klei­nes Stück­chen Hei­mat und bringt mir Gebor­gen­heit und natür­lich auch ein wenig Sehnsucht. 

Spra­che ist für uns Men­schen seit jeher einer der wich­tigs­ten Indi­ka­to­ren für unse­re Iden­ti­tät: sie ver­bin­det uns mit unse­ren Lands­leu­ten und trennt uns von jenen, die sie nicht ver­ste­hen; sie ist Stif­ter unse­rer Kul­tur und eint die Men­schen unter­ein­an­der. Zudem ist Spra­che essen­zi­ell für Inte­gra­ti­on jeg­li­cher Art und Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­ein­an­der im All­ge­mei­nen. Selbst pri­mi­tivs­te Lebe­we­sen ver­fü­gen über irgend­ei­ne Art von Spra­che, um Fress­fein­de abzu­schre­cken, Rudel­mit­glie­der zu war­nen, oder um sich selbst als poten­zi­el­len Balz­part­ner zu präsentieren.

Folg­lich ist es doch ein gro­ßer Vor­teil Deutsch­lands, als Kul­tur­na­ti­on, dass wir uns trotz unse­rer vie­len Dia­lek­te unter­ein­an­der ver­ste­hen, oder zumin­dest ver­stän­di­gen kön­nen und dass unse­re Spra­che der gemein­sa­me Nen­ner ist, den alle Ein­woh­ner unse­res Lan­des teilen.

Dabei hat Deutsch­land natür­lich auch das Glück, sich ledig­lich über ein ein­zel­nes Stück Land­mas­se zu erstre­cken und nicht, wie das Archi­pel der Phil­ip­pi­nen auf über 7000 Inseln ver­teilt zu sein. Durch die­se räum­li­che Tren­nung der Lands­leu­te unter­ein­an­der, von denen die wenigs­ten jemals ihre eige­ne Insel ver­las­sen haben und aus der auch eine sprach­li­che Tren­nung resul­tiert, ist es sehr schwer ein phil­ip­pi­ni­sches Ein­heits- oder gar Natio­nal­ge­fühl zu schaffen.

Aus die­sem Grund wer­den jähr­lich natio­na­le Sym­bo­le, wie zum Bei­spiel eine Natio­nal-Blu­me, oder ein Natio­nal-Vogel gekürt, die mehr Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl bei den Fili­pi­nos erzeu­gen und sie, egal auf wel­cher Insel sie sich befin­den, ver­ei­nen sollen.

Für das Schaf­fen die­ser Ein­heit ist eine gemein­sa­me Spra­che natür­lich unver­zicht­bar. Somit lernt jedes Kind auf den Phil­ip­pi­nen neben sei­nem eige­nen Dia­lekt und Eng­lisch in der Schu­le noch Taga­log, bei uns bes­ser bekannt als Fili­pi­no. Nur dadurch kön­nen sich die Men­schen im gan­zen Land ver­stän­di­gen und weil das selbst­ver­ständ­lich unglaub­lich wich­tig ist, wird Taga­log hier groß gefei­ert und über den gan­zen Sep­tem­ber, dem “Ling­go ng Wika”, über­setzt “Monat der Spra­che” in den Mit­tel­punkt des Schul­all­tags gestellt.

Der Auf­takt des­sel­ben wird in allen phil­ip­pi­ni­schen Schu­len mit tra­di­tio­nel­len Lie­dern, Tän­zen und Trach­ten vom Kin­der­gar­ten bis in die zwölf­te Klas­se zele­briert. Eine wirk­lich atem­be­rau­ben­de Ver­an­stal­tung. Dabei wird nicht nur der Spra­che gedacht, son­dern auch der lan­gen Lei­dens­ge­schich­te, die die Men­schen hier durch drei ver­schie­de­ne Kolo­ni­al­her­ren durch­ste­hen muss­ten. Dies gemischt mit dem gro­ßen Patrio­tis­mus der schon von den Kin­dern gezeigt wird, macht den “Ling­go ng Wika” zu einer sehr emo­tio­na­len Ver­an­stal­tung bei Jung und Alt.

Selbst ich muss­te mir eini­ge Trän­chen ver­knei­fen, oder um den Monat der Spra­che auf Hohen­lo­hisch zusam­men­zu­fas­sen: Ä sub­ber Sach!

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