Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Seife und Kugelschreiber

Ein Luxus­gut. Was ist das schon? Das neue Auto mit Son­der­zu­be­hör, auf das man so lan­ge gespart hat? Die sünd­haft teu­re Hand­ta­sche, die man sich eigent­lich gar nicht leis­ten kann, aber trotz­dem haben muss? Die limi­tier­te Auf­la­ge eines Buches, die nicht lan­ge auf dem Markt sein wird und die man sich somit schnap­pen soll­te, solan­ge es noch geht?

Ein Luxus­gut ist doch sicher kein Stück Sei­fe, oder gar ein Kugel­schrei­ber, den man über das kom­plet­te Jahr hin­weg als Wer­be­ge­schenk von zahl­rei­chen Fir­men hin­ter­her­ge­schleu­dert bekommt. Und trotz­dem sind das genau jene Gegen­stän­de, die knapp die Hälf­te der Schü­ler in Good She­pherd zu Beginn jedes Monats aus­ge­hän­digt bekom­men. Die­se 69 Kin­der ste­chen durch die trau­ri­ge Tat­sa­che her­vor, dass es für ihre Eltern eine enor­me Erleich­te­rung bedeu­tet, sich kei­ne Gedan­ken dar­über machen zu müs­sen, ob sie es sich in die­sem Monat wohl leis­ten kön­nen, ihr Kind mit dem Nötigs­ten zu ver­sor­gen: Kör­per­sei­fe zur Gewähr­leis­tung von Hygie­ne, Klei­der­sei­fe für ein ordent­li­ches und wür­de­vol­les Auf­tre­ten und einen Kugel­schrei­ber, um in der Schu­le Schritt hal­ten zu kön­nen. Als Teil des soge­nann­ten “Com­mu­ni­ty Out­re­ach Pro­gramm” der Schu­le kön­nen dank der Hil­fe von aus­län­di­schen Spon­so­ren, meist Korea­ner oder Ame­ri­ka­ner, der­ar­ti­ge Arti­kel beschafft und dann an die durch die Ein­kom­mens­lis­ten ermit­tel­ten, bedürf­tigs­ten Schü­ler ver­teilt wer­den. Die Wai­sen sind dabei auto­ma­tisch Teil des Programms.

Das Sys­tem ist sim­pel. Wes­sen Eltern zu Arbeit gekom­men sind, oder plötz­lich mehr ver­die­nen, oder wer durch Regel­ver­stö­ße, oder gar schlech­te Leis­tun­gen in der Schu­le auf­fällt, wird aus dem Pro­gramm, das als Pri­vi­leg und Moti­va­ti­on zugleich gese­hen wer­den soll, aus­ge­schlos­sen. Viel zu kost­bar sind die begehr­ten Förderplätze.

Wie bei einer Paten­schaft erhal­ten die Spon­so­ren im Gegen­zug Neu­ig­kei­ten von den Kin­dern: Bil­der, ihr Stand in der Schu­le, Infor­ma­tio­nen über Fami­lie und Hob­bies und über die per­sön­li­che Ent­wick­lung. Der ein­zi­ge Unter­schied besteht dar­in, dass das gespen­de­te Geld ledig­lich für die monat­lich aus­ge­hän­dig­ten Mate­ria­li­en auf­ge­wen­det wird. Nah­rungs­mit­tel, oder gar Geld, sowie Mit­tel zur Ver­bes­se­rung der Wohn­si­tua­ti­on wer­den nicht verteilt.

Dadurch wird zwar zu kei­ner ernst­haf­ten Ver­bes­se­rung der Lebens­um­stän­de bei­getra­gen, doch durch den ver­hält­nis­mä­ßig klei­nen Betrag, der pro Kind auf­ge­wen­det wird, kann umso mehr Schü­lern gehol­fen wer­den. Außer­dem machen schon die für uns klein schei­nen­den Gaben den Kin­dern jeden Monat eine gro­ße Freu­de. Man muss sich nur vor­stel­len, uns wür­de jeden Monat jemand ein Luxus­gut schenken…

Photo by Andrew Seaman on Unsplash 

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