Freiwilligendienst, Hoa in Japan
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Wenn dich ein Taifun willkommen heißt

End­lich wie­der in Japan! Mei­nen Traum nach dem Abi habe ich mir erfüllt und die Erwar­tun­gen an das bevor­ste­hen­de Jahr sind dem­entspre­chend hoch. Bei die­ser Moti­va­ti­on, die ich habe: Was kann da schon schief gehen? 

Aus dem Flug­zeug, Check. Die Pass­kon­trol­len hin­ter mir, Check. Ich kann am Aus­gang zwei mei­ner wohl zukünf­ti­gen Arbeits­kol­le­gen durch ein Papp­schild aus­fin­dig machen, auf dem „Mr. Chuong, Hoa Huu“ steht, deko­riert mit zwei klei­nen, aber süßen Blümchen. 

Was soll ich sagen? Ich bin tat­säch­lich wie­der in Japan! Wirk­lich rea­li­siert habe ich es noch nicht ganz, wenn ich ehr­lich bin. Statt­des­sen habe ich mich an mei­ne zwei­wö­chi­ge Japan­rei­se mit mei­ner Schul­klas­se letz­ten Jah­res erin­nert. Vol­ler Nost­al­gie erin­ner­te ich mich an die Ner­vo­si­tät und Vor­freu­de, die ich damals hat­te. Schließ­lich war es auch mein ers­tes Mal in Japan, dem Land, das ich schon immer sehen woll­te. Im Auto auf dem Weg zu mei­ner Ein­satz­stel­le habe ich mir im Kopf schon aus­ge­malt, wie toll die­ses kom­men­de Jahr wird. Ich konn­te es kaum erwar­ten, das, was ich damals in zwei Wochen Japan gefühlt habe, nun für ein gan­zes Jahr zu fühlen. 

In Deutsch­land habe ich mich schon viel über die Stadt Osa­ka, in der ich leben wer­de, infor­miert. Ich habe den Ver­gleich gefun­den, dass Osa­ka im Ver­gleich zu ande­ren japa­ni­schen Städ­ten wie Ber­lin im Ver­gleich zu ande­ren deut­schen Städ­ten ist. Ein­fach urba­ner, chao­ti­scher, bun­ter und ver­rück­ter. Dass man die­se Sze­ne ein­fach spürt (was auch immer das auch hei­ßen mag). Mein ers­ter Ein­druck: ziem­lich grau und gar nicht so spek­ta­ku­lär und anders. Mir wur­de schnell klar, dass eine Stadt mit ca. 230km² Flä­che nicht nur aus bun­ten ver­rück­ten Hoch­häu­sern bestehen kann, offen­sicht­lich, und um 9:00 mor­gens im Auto auf der Schnell­stra­ße (die übri­gens sogar kurz durch die Innen­stadt, also zwi­schen Hoch­häu­sern, ver­läuft) ist eine Stadt schließ­lich auch erst gra­de beim Aufstehen. 


Ers­te Bli­cke auf Osa­ka aus dem Auto

Einen bes­se­ren ers­ten Ein­druck hat­te ich aber defi­ni­tiv bei der Ein­satz­stel­le! Das Alten­heim liegt in der Stadt Ike­da auf einem klei­nen Hügel mit einer wun­der­schö­nen Sicht auf den Berg Sats­uki­ya­ma und auf die Stadt selbst. Aber beson­ders der herz­li­che Emp­fang der Ein­satz­stel­le war genau das, was ich nach einem anstren­gen­den Flug gebraucht habe. Von bei­den Sei­ten haben sich alle auf­ge­reiht und mich begrüßt, wäh­rend ich lang­sam in Rich­tung Büro geführt wur­de. Im Büro wur­de ich der Che­fin vor­ge­stellt und gemein­sam haben wir direkt auch zu Mit­tag geges­sen. Spä­ter hat sie mich dann auch am Abend zum Sushi-Essen ein­ge­la­den. Nach so einem tol­len Tag konn­te ich es kaum erwar­ten, end­lich mit der Arbeit zu begin­nen – doch erstmal…

Hal­lo Taifun!

Ich soll­te wohl noch etwas war­ten. Denn nicht nur die Ein­satz­stel­le plan­te mich zu emp­fan­gen, anschei­nend auch ein Tai­fun. Mein ers­ter Arbeits­tag soll­te der 04.09.2018 (ein Diens­tag) sein und ich konn­te es kaum erwar­ten, mein Japa­nisch bei der Arbeit zu tes­ten. Ich bekam aber dann einen Anruf von mei­ner Che­fin. Wegen des kom­men­den Tai­funs soll ich zu Hau­se blei­ben, alles abschlie­ßen und auf mich auf­pas­sen. Nun gut, ein frei­er Tag klingt jetzt auch nicht so schlimm. Das dach­te ich zumin­dest, aber am Diens­tag war mir dann klar: Gar nicht cool! Türen und Fens­ter soll­ten geschlos­sen sein und wirk­lich unter­neh­men kann man auch nichts. Zwar hat­te ich genug Zeit, mich in mei­ner neu­en Woh­nung ein­zu­rich­ten, aber so habe ich mir den Start defi­ni­tiv nicht vor­ge­stellt. In Ike­da hat es zwar schon sehr stark gestürmt und gereg­net, aber ganz so schlimm wie erwar­tet war es dann doch nicht. Es war mein ers­ter Tai­fun und habe ihn mir dem­entspre­chend rich­tig extrem vor­ge­stellt. Der Regen und der Wind­sturm waren laut und stark, aber ich habe bei einem star­ken Tai­fun damit gerech­net, dass mal was durch die Luft fliegt – Fehl­an­zei­ge! (Zum Glück!)

Bei einer mei­ner Mit­frei­wil­li­gen, die in der Innen­stadt von Osa­ka lebt (ich woh­ne nörd­lich und brau­che eine Stun­de in die Innen­stadt), sah es aber dann doch ganz hef­tig aus: Das Dach einer Ein­satz­stel­le, in der sie arbei­ten soll­te, ist ein­ge­stürzt. Sie kann dort vor­erst nicht arbei­ten, bis das Dach gefixt ist. Momen­tan wur­de sie an eine ande­re Ein­rich­tung in Osa­ka ver­setzt. Ich habe den Tai­fun natür­lich ohne Scha­den bestan­den und muss­te erst­mal Freun­den und Fami­lie in Deutsch­land erklä­ren, dass es mir gut geht. Als ich dann am nächs­ten Tag zu mei­nem ers­ten Arbeits­tag gegan­gen bin, ist tat­säch­lich ein klei­ner Baum umgefallen. 

Ich den­ke, so stellt sich kei­ner sei­nen Start in sei­nen Frei­wil­li­gen­dienst vor. Ein gutes Zei­chen? Ich bin mit der Ein­stel­lung nach Japan gegan­gen, so vie­le Erfah­run­gen wie mög­lich zu machen. Ich mein, sol­che Erfah­run­gen mache ich lie­ber frü­her als spä­ter, damit ich sie hin­ter mir habe. #stay­po­si­ti­ve

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