Monate: Dezember 2018

Projekt Gemüsegarten

Zur Pflicht­auf­ga­be eines jeden welt­­wärts-Frei­wil­­li­gen gehört es, ein eige­nes (mög­lichst nach­hal­ti­ges) Pro­jekt zu orga­ni­sie­ren und durch­zu­füh­ren – am bes­ten noch in Koope­ra­ti­on mit den Men­schen vor Ort. Caro und ich haben es uns zum Ziel genom­men, den alten, lei­der in Ver­wahr­lo­sung gera­te­nen Gemü­se­gar­ten von Good She­pherd wie­der­zu­be­le­ben, zusam­men mit den Eltern der Kin­der, die eine Schul­pa­ten­schaft erhal­ten und die letzt­end­lich zusam­men mit ihren Fami­li­en zu den Pro­fi­tie­ren­den des Pro­jekts gehö­ren sol­len. Auf dem zur müll­frei­en Zone erklär­ten Are­al sol­len schon bald haupt­säch­lich Malun­­gay-Blät­­ter – eine belieb­te Zutat in Sup­pen und Fisch­spei­sen – Zitro­nen­gras und grü­ne Papa­yas sprie­ßen; aber auch Bana­­nen-, Pla­­ti­­nen- und Kokos­pal­men sind dort von Natur aus schon zu fin­den Bevor die Eltern des soge­nann­ten Out­­re­ach-Pro­­gramms mit uns zusam­men aber das Pflan­zen star­ten konn­ten, war erst ein­mal eine groß­flä­chi­ge Säu­be­rung und Aus­gra­sung des Gelän­des nötig. Auch das Pro­blem der Was­ser­ver­sor­gung in der Tro­cken­zeit, an dem der Gar­ten in der Ver­gan­gen­heit geschei­tert ist, muss­te gelöst wer­den. Dazu haben wir alle Eltern, die zu unse­rer Über­ra­schung trotz Regen am Vor­mit­tag (der die Fili­pi­nos nor­ma­ler­wei­se dazu ver­an­lasst, …

Heimweh

Immer nur zu schrei­ben, wie gut es mir geht und wie toll es hier ist, wäre nicht wirk­lich ehr­lich. Zwar bin ich von den meis­ten Sachen hier posi­tiv über­rascht, trotz allem ist es wirk­lich schwie­rig, plötz­lich allei­ne in einem ande­ren Land auf sich gestellt zu sein. Dem­entspre­chend hier eine klei­ne aber ehr­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Heim­weh, wohl wis­send, dass mich in Deutsch­land das Fern­weh pla­gen wür­de.

Kulturschock — Ruhig bleiben!

Ich weiß, jede Kul­tur hat ihre eige­nen Sicht­wei­sen und Eigen­schaf­ten, aber die­se hier sind wirk­lich schwer nach­zu­voll­zie­hen. Jeden­falls für mich. Aber von vor­ne. Das Alten­heim Asi­lo de Molo ist sehr berühmt und zwar heißt es, man „füh­le Gott“, wenn man das Gelän­de betritt. Okay, wer gläu­big ist, soll­te jetzt bes­ser nicht wei­ter­le­sen. Die nächs­ten Zei­len sind nur mei­ne ganz per­sön­li­che Sicht­wei­se. Ich möch­te nie­man­den in sei­nem Glau­ben ver­letz­ten oder Ähn­li­ches. Die­se Geschich­te wird mir gefühlt jeden Tag erzählt: Eines Tages kam ein klei­ner 4 –jäh­ri­ger Jun­ge mit sei­ner Mama nach Asi­lo. Er fing plötz­lich an zu wei­nen, als er das Gelän­de betrat. Es gab erst­mal kei­nen wirk­li­chen Grund, war­um das Kind so plötz­lich ange­fan­gen hat­te zu wei­nen. Sofort ging man davon aus, dass der Jun­ge beim Betre­ten von Asi­lo etwas gefühlt haben muss, er muss Gott in sei­nem Kör­per gespürt haben. Jah­re spä­ter hat die­ser Jun­ge wie­der Asi­lo betre­ten und konn­te sich uhr­plötz­lich wie­der dar­an erin­nern. Dies hat er dann einer Non­ne erzählt und seit­dem lebt Gott in Asi­lo, so sagt man. So. Und die­se …

Lerne das WLAN zu schätzen!

Das ist eine Sache, die mich hier echt stört: die lang­sa­me Inter­net­ver­bin­dung. Ich bin rela­tiv wenig im Inter­net unter­wegs — zumin­dest bin ich hier dar­auf ange­wie­sen, mei­nen Inter­net Kon­sum auf ein Mini­mum run­ter­zu­schrau­ben. Für mein Han­dy habe ich eine neue SIM-Kar­­te und lade mir alle 7 Tage 2GB Inter­net drauf. Man denkt sich, 2 GB sind viel, aber wenn man kein zusätz­li­ches WLAN hat, ist das wie­der­um sehr wenig. Vor allem, wenn man neben­bei einen Blog wei­ter­füh­ren will und vie­le E-Mails schrei­ben muss, ist die gan­ze Situa­ti­on ziem­lich ner­ven­auf­rei­bend. Mitt­ler­wei­le nut­ze ich das haus­in­ter­ne WLAN, wel­ches nur im Office funk­tio­niert, gar nicht mehr. Ich habe es nach eini­gen Tagen auf­ge­ge­ben und nut­ze die meis­te Zeit mei­nen Hot­spot vom Han­dy. Das ist wesent­lich schnel­ler. Aber, eines lernt man dadurch durch­aus: Leben OHNE Net­flix oder Ama­zon Prime. Daher habe ich mir auch zum Ziel gesetzt, das kom­plet­te Jahr ohne die­se Platt­for­men aus­zu­kom­men. Ist jetzt auch nicht sooooo schwer, wenn man es eh nicht nut­zen kann. Bis jetzt fällt es mir sehr leicht, da ich abends eh viel …

Der Alltag der Waisenkinder

Schon früh am Mor­gen klopft es auf­ge­regt und ener­gisch an unse­rer Zim­mer­tür. Noch halb ver­schla­fen öff­ne ich und tref­fe unser jüngs­tes Wai­sen­mäd­chen: Es mag vor der Schu­le noch einen kur­zen Plausch mit uns hal­ten oder uns einen schö­nen Tag wün­schen. Sie ist eine von ins­ge­samt drei­zehn Wai­sen, die in Good She­pherd betreut wer­den. Dar­un­ter befin­den sich sechs Mäd­chen und sie­ben Jun­gen, die in zwei Häu­sern gemein­sam mit einer Haus­mut­ter leben. Der Tag unse­rer Schütz­lin­ge ist streng durch­ge­tak­tet: Ihre Pflich­ten begin­nen bei Son­nen­auf­gang mit dem Keh­ren und Sau­ber­hal­ten ihrer jewei­li­gen Unter­künf­te, gefolgt von einem Gebets­kreis, dem Früh­stück und dem anschlie­ßend Schul­be­such. Alle ihre Mahl­zei­ten wer­den von ihnen eigen­stän­dig zube­rei­tet. Auch sons­ti­ge Haus­halts­auf­ga­ben wie Spü­len, Wäsche waschen oder ähn­li­ches wer­den nach einem Ras­ter­sys­tem fair auf jedes ein­zel­ne Kind zwi­schen sechs und neun­zehn Jah­ren ver­teilt. All­abend­lich kommt dazu noch der Instru­­men­­ten-Unter­­richt in Gei­ge, Kla­vier oder Gitar­re, der den Kin­dern eine nütz­li­che Fähig­keit für ihr spä­te­res Leben mit auf den Weg geben soll. Im Gegen­zug für ihre gan­zen Mühen erhal­ten die Kin­der drei Mahl­zei­ten, einen siche­ren Platz zum Schla­fen …