Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Der Alltag der Waisenkinder

Schon früh am Mor­gen klopft es auf­ge­regt und ener­gisch an unse­rer Zim­mer­tür. Noch halb ver­schla­fen öff­ne ich und tref­fe unser jüngs­tes Wai­sen­mäd­chen: Es mag vor der Schu­le noch einen kur­zen Plausch mit uns hal­ten oder uns einen schö­nen Tag wün­schen. Sie ist eine von ins­ge­samt drei­zehn Wai­sen, die in Good She­pherd betreut wer­den. Dar­un­ter befin­den sich sechs Mäd­chen und sie­ben Jun­gen, die in zwei Häu­sern gemein­sam mit einer Haus­mut­ter leben.

Der Tag unse­rer Schütz­lin­ge ist streng durch­ge­tak­tet: Ihre Pflich­ten begin­nen bei Son­nen­auf­gang mit dem Keh­ren und Sau­ber­hal­ten ihrer jewei­li­gen Unter­künf­te, gefolgt von einem Gebets­kreis, dem Früh­stück und dem anschlie­ßend Schul­be­such.

Alle ihre Mahl­zei­ten wer­den von ihnen eigen­stän­dig zube­rei­tet. Auch sons­ti­ge Haus­halts­auf­ga­ben wie Spü­len, Wäsche waschen oder ähn­li­ches wer­den nach einem Ras­ter­sys­tem fair auf jedes ein­zel­ne Kind zwi­schen sechs und neun­zehn Jah­ren ver­teilt.

All­abend­lich kommt dazu noch der Instru­men­ten-Unter­richt in Gei­ge, Kla­vier oder Gitar­re, der den Kin­dern eine nütz­li­che Fähig­keit für ihr spä­te­res Leben mit auf den Weg geben soll.

Im Gegen­zug für ihre gan­zen Mühen erhal­ten die Kin­der drei Mahl­zei­ten, einen siche­ren Platz zum Schla­fen und eine für phil­ip­pi­ni­sche Ver­hält­nis­se sehr gute aka­de­mi­sche Aus­bil­dung und wer­den zudem sehr gut auf ein eigen­stän­di­ges Leben vor­be­rei­tet.

Viel Zeit für Frei­zeit und wirk­li­ches Kind-Sein bleibt also nicht, wobei unse­re Schütz­lin­ge dar­über kei­nes­wegs unglück­lich sind, son­dern eher dank­bar für die unglaub­li­che Chan­ce, die sich ihnen bie­tet, ein gere­gel­tes Leben in einem siche­ren Umfeld ohne finan­zi­el­le Sor­gen füh­ren zu kön­nen.

Als Aus­gleich zu ihrem Arbeits­all­tag fun­giert der mit Caro und mir ver­brach­te Sams­tag. An die­sem berei­ten wir Frei­wil­li­gen das Pro­gramm für die Kin­der vor, sie dür­fen spie­len, malen und bas­teln.

An einem schul­frei­en Tag klopft es wie­der an unse­rer Tür. Ver­wun­dert öff­nen wir unse­rem klei­nen Wai­sen­mäd­chen in Schul­uni­form. Grin­send berich­tet sie uns, dass sie ihrer Haus­mut­ter erzählt hat, dass sie heu­te Unter­richt hat, um ihre Auf­ga­ben nicht erle­di­gen zu müs­sen. Mit einem Schmun­zeln bit­ten wir sie in unse­re Woh­nung. Ihr Ein­falls­reich­tum ver­dient auf jeden Fall noch eine erhol­sa­me Stun­de.

 Photo by Frank Zhang on Unsplash 

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