Freiwilligendienst, Maike in Lettland
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Heimweh

Immer nur zu schrei­ben, wie gut es mir geht und wie toll es hier ist, wäre nicht wirk­lich ehr­lich. Zwar bin ich von den meis­ten Sachen hier posi­tiv über­rascht, trotz allem ist es wirk­lich schwie­rig, plötz­lich allei­ne in einem ande­ren Land auf sich gestellt zu sein. Dem­entspre­chend hier eine klei­ne aber ehr­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Heim­weh, wohl wis­send, dass mich in Deutsch­land das Fern­weh pla­gen wür­de.

Mit Heim­weh ist das so eine Sache. Es ist nicht da, wenn du es erwar­test, doch kommt, wenn du eigent­lich kei­nen Grund dafür erken­nen kannst. Oft ist es nur ein klei­nes Ste­chen oder Zie­hen, wenn man auf Snap­chat das neus­te Bild der Freun­des­cli­que zuhau­se sieht – und manch­mal ist es mehr. Sich ein­fach unglück­lich füh­len, grund­los, obwohl doch alles gut ist, sogar bes­ser als erwar­tet. Neue Leu­te tref­fen, neue Freund­schaf­ten schlie­ßen – das ist alles toll. Doch manch­mal braucht man auch die Umar­mung einer Per­son, die man schon län­ger als ein paar Wochen kennt. Einen Monat habe ich gebraucht, um Heim­weh zu bekom­men. An sich schon eine beacht­li­che Leis­tung. Aber auch ver­ständ­lich. Am Anfang ist alles neu, span­nend und fühlt sich so tem­po­rär an. Wenn etwas nicht klappt, nicht den Erwar­tun­gen ent­spricht – „okay, ist halt so, wird in Zukunft bes­ser, man gewöhnt sich ja…“ Doch was, wenn die Gewöh­nung nicht kommt? Wenn sich die klei­nen Rück­schlä­ge sum­mie­ren? Nicht zulas­sen! Ich bin hier in einem ande­ren Land, mit so vie­len Mög­lich­kei­ten, die es aus­zu­kos­ten, und Ent­de­ckun­gen, die es zu machen, gilt!

Der Schlüs­sel ist, kei­ne Lan­ge­wei­le auf­kom­men zu las­sen – manch­mal ist Zeit für Gedan­ken wich­tig, manch­mal töd­lich. Wochen­en­den ver­pla­nen, sich in After-Work-Akti­vi­tä­ten enga­gie­ren – das sind ein­fa­che, aber effek­ti­ve Lösun­gen. Ich will nicht all mei­ne zukünf­ti­gen Aben­de damit ver­brin­gen, Heim­weh zu haben und trau­rig zu sein. Mei­ne Zeit hier ist begrenzt und ich muss sie nut­zen! Ich will auf­hö­ren, nie­der­ge­schla­gen zu sein und dafür sor­gen, dass ich mich jeden Abend schon auf das Auf­wa­chen freu­en kann. Trotz­dem – im End­ef­fekt muss ich dank­bar für das Heim­weh sein. Es zeigt mir schließ­lich, dass ich eine Hei­mat habe. Men­schen, zu denen ich immer zurück­keh­ren kann.  

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