Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Ein halbes Jahr später

Dass Zeit unter­schied­lich schnell ver­ge­hen kann, ist kein Geheim­nis. Wäh­rend sich War­te­zei­ten meist unend­lich lan­ge hin­zu­zie­hen schei­nen, ver­ge­hen ange­neh­me und schö­ne Momen­te oft viel zu schnell.

Ob sich nun mein ers­tes hal­bes Jahr auf den Phil­ip­pi­nen nun Freu­den­tau­mel-kurz oder Heim­weh-lang­sam ange­fühlt hat, kann ich nicht sagen. Es ist vie­les pas­siert: viel Über­ra­schen­des, viel Schö­nes, aber auch der obli­ga­to­ri­sche ein oder ande­re trau­ri­ge und hilf­lo­se Moment, denn auch am schöns­ten Ort der Welt wird man nie aus­schließ­lich gute Zei­ten haben. 

Wenn ich eines sicher über die letz­ten sechs Mona­te sagen kann, dann, dass ich mich defi­ni­tiv sehr ver­än­dert habe. Zum einen natür­lich, weil ich noch nie so lan­ge von zu Hau­se ent­fernt war und auch, weil ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben allei­ne, oder zumin­dest ohne mei­ne Eltern, woh­ne, was natür­lich vie­le Frei­hei­ten, aber auch eini­ge Her­aus­for­de­run­gen mit sich bringt. In die­ser Hin­sicht habe ich sicher­lich eini­ges an Rei­fe und Dis­zi­plin zu mei­ner sonst etwas nai­ven und eher wenig erwach­se­nen Per­sön­lich­keit gewon­nen, was aber ver­mut­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist, die mit dem Ablö­sungs­pro­zess von den Eltern einhergeht.

Doch das Leben auf den Phil­ip­pi­nen hat mir nicht nur mehr Eigen­stän­dig­keit gebracht, son­dern mir auch unwill­kür­lich einen kom­plett neu­en Blick auf die Welt um mich her­um ermög­licht. Ich sehe Vie­les nicht mehr als Selbst­ver­ständ­lich­keit an, hin­ter­fra­ge mehr und hal­te es häu­fig für unver­zicht­bar, mir noch einen zwei­ten Stand­punkt zu gel­ten­den Mei­nun­gen, Aus­sa­gen und Ansich­ten ein­zu­ho­len. Dazu gehört auch, sich dank­bar für Din­ge zu zei­gen, auch wenn sie belang­los oder wie eine Gege­ben­heit erscheinen.

Auch wenn das erst ein­mal alles posi­tiv und nach neu­ge­won­ne­ner Unab­hän­gig­keit und Erwach­sen­sein klingt, ist es mei­ner Mei­nung nach auch wich­tig, an die­ser Stel­le noch­mals zu beto­nen, dass ein Aus­lands­jahr kein Zucker­schle­cken ist. Der­ar­ti­ge neue Eigen­schaf­ten ent­wi­ckelt man nicht über Nacht, son­dern man erlernt sie durch Erfah­run­gen, die zum Teil auch unan­ge­nehm oder schwer sein kön­nen. Dazu gehö­ren Heim­weh oder die Ver­zweif­lung, in schwie­ri­gen Situa­tio­nen so weit von jeg­li­chem Ver­trau­ten ent­fernt zu sein.

Trotz allem sind all die­se Momen­te, ob sie nun schwer waren oder nicht, prä­gend und ich möch­te sie auf kei­nen Fall mis­sen, denn aus jeder jet­zi­gen Erfah­rung stellt sich spä­ter die Erin­ne­rung an die­ses so ver­än­dern­de Jahr in mei­nem Leben zusammen.

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