Freiwilligendienst, Hoa in Japan, Tipps & Tricks
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Per Anhalter nach Hiroshima

Rei­sen inner­halb Japans ist nicht wirk­lich bil­lig und beson­ders bei einem Frei­wil­li­gen­dienst mit über­schau­ba­rem Gehalt muss man zusätz­lich auf sei­ne Aus­ga­ben ach­ten. Den­noch soll­te man die Chan­ce nut­zen, so viel wie mög­lich von dem Land zu sehen, denn dafür ist man ja auch schließ­lich gekom­men! Aber wie?

Der Shink­an­sen (der japa­ni­sche Schnell­zug) von Osa­ka nach Tokyo kos­tet ein biss­chen mehr als 100€ pro Stre­cke. Die bil­li­ge­re Fern­bus-Vari­an­te wirbt zwar damit, viel güns­ti­ger zu sein, aber loh­nens­wer­ter ist es nicht, wenn man die Fahr­zei­ten mit ein­be­rech­net. Wenn man schon bereit ist, ein biss­chen weni­ger zu zah­len für eine lan­ge Fahrt­zeit, war­um dann nicht gleich NICHTS zah­len für noch biss­chen mehr Fahrt­zeit? 🙂 Genau rich­tig, ich spre­che vom Hitch­hi­king in Japan!

Mit einer Freun­din zusam­men bin ich von Osa­ka nach Hiro­shi­ma per Anhal­ter gefah­ren. Dies hät­te aber nicht geklappt, wenn wir nicht viel Recher­che betrie­ben und Vide­os zu dem The­ma geguckt hät­ten. Des­we­gen erklä­re ich euch hier erst­mal die Basics, wie man denn hier zu hitch­hi­ken hat:

Hitchhiking in Japan

1. Wie geht das?

Wer hitch­hi­ken möch­te, muss gese­hen wer­den. Die Japa­ner ken­nen aber das typi­sche „Dau­men hoch“-Zeichen nicht. Eine ande­re Metho­de ist es, es mit gro­ßen Papp­schil­dern zu pro­bie­ren. Auf das Schild schreibt ihr dann mit dicken Mar­kern euer Rei­se­ziel hin. Am bes­ten ist es, wenn ihr nur die nächst­grö­ße­re Stadt auf­schreibt, denn so ist es wahr­schein­li­cher, dass ihr über­haupt erst­mal auf­ge­nom­men wer­det und auf die Auto­bahn gelangt.

Der wich­tigs­te Schritt ist näm­lich wirk­lich erst­mal auf die Auto­bahn zu gelan­gen. Ver­sucht das Rei­se­ziel in Kan­jis (Schrift­zei­chen) zu schrei­ben. Es ist nicht nur ein­fa­cher zu lesen, son­dern ihr signa­li­siert dem poten­ti­el­len Fah­rer, dass ihr etwas Japa­nisch könnt (auch wenn ihr nichts könnt). Die Haupt­sor­ge von vie­len japa­ni­schen Fah­rern ist, wenn sie aus­län­di­sche Hitch­hi­ker sehen, ob sie kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. In dem ihr so viel auf Japa­nisch macht wie es zumin­dest ober­fläch­lich mög­lich ist, erhöht ihr eure Chan­cen! Redet auch so viel wie mög­lich im Auto. Je län­ger und inter­es­san­ter die Gesprä­che, des­to wei­ter wer­det ihr in der Regel mit­ge­nom­men. Ansons­ten gilt das Selbst­ver­ständ­li­che: ordent­lich anzie­hen, Augen­kon­takt, und schön lächeln und win­ken.

2. Wo kann man hitch­hi­ken?

Damit man über­haupt Fort­schrit­te macht, muss man auf die Auto­bahn gelan­gen. Auf der Auto­bahn befin­den sich soge­nann­te Ser­vice Are­as (SA), die deut­schen Rast­stel­len ähneln, aber viel grö­ßer sind (mit ganz vie­len Läden und Shops) und somit sehr oft befah­ren wer­den. Lei­der sind die­se von außer­halb der Auto­bahn nicht per Fuß erreich­bar, wes­halb man am Anfang in der Nähe einer Auto­bahn­ein­fahrt sein Glück pro­bie­ren muss.

Man muss dann sel­ber auf Goog­le Maps schau­en, wel­che Tank­stel­len, Com­bi­nis oder Park­plät­ze in der Nähe am bes­ten geeig­net sind. Die­se Auf­ga­be stellt auch die größ­te Her­aus­for­de­rung dar: Ist man näm­lich ein­mal in der Auto­bahn drin­nen und war­tet bei SAs, dann dau­ert die War­te­zeit oft nicht län­ger als 10 Minu­ten. Je nach Auto­bahn­ein­fahrt war­tet man hin­ge­gen gut und ger­ne mal 1–2 Stun­den. Denn inner­halb der Auto­bahn wer­det ihr euch haupt­säch­lich im Auto oder auf der nächs­ten SA befin­den.

Meine Erfahrung beim Hitchiken in Japan

Wegen eines ver­län­ger­ten Wochen­en­des woll­ten eine Freun­din und ich gemein­sam nach Hiro­shi­ma fah­ren, um für die Weih­nachts­zeit ande­re Frei­wil­li­gen in Japan zu tref­fen. Da Geld zur Weih­nachts­zeit immer so eine Sache ist, haben wir beschlos­sen, es per Anhal­ter zu pro­bie­ren. Am Abend vor­her haben wir schnell eine Auto­bahn­ein­fahrt gesucht und schon ging es um 7 Uhr mor­gens los. Schließ­lich wur­den wir um halb 12 (!) von unse­rem ers­ten Fah­rer mit­ge­nom­men. Nach den fast 5 Stun­den hät­ten wir fast auf­ge­ge­ben, hät­te uns ein frem­des Ehe­paar nicht als Auf­mun­te­rung Früh­stück und Dosen­sup­pe gebracht. Dass wir nicht wirk­lich viel Erfolg hat­ten, lag aber defi­ni­tiv an uns und unse­rer Recher­che. Der Ort war nicht gut befah­ren und die Autos, die an uns vor­bei­ge­fah­ren sind, woll­ten auch oft nicht auf die Auto­bahn. Nichts­des­to­trotz hat uns dann eine etwas älte­re Frau auf­ge­nom­men, die in der nächst­grö­ße­ren Stadt Kobe auf ein K-Pop Kon­zert woll­te. Es ist wirk­lich wich­tig, dem Fah­rer klar zu machen, wo ihr genau hin­wollt, und wo nicht. Wir woll­ten unbe­dingt so lan­ge mit­ge­nom­men wer­den wie mög­lich, wes­halb wir nicht rea­li­siert haben, dass wir mit der alten Frau von der Auto­bahn run­ter und in der Innen­stadt in Kobe gelan­det sind. Also noch­mal von vor­ne: auf die Auto­bahn kom­men. Wahr­schein­lich lag es auch an Miss­ver­ständ­nis­sen, aber wir hät­ten am SA vor­her aus­stei­gen sol­len, wo wir auch dran vor­bei­ge­fah­ren sind. Schließ­lich haben wir wei­te­re drei Stun­den in Kobe ver­bracht, bis wir schließ­lich wie­der auf der Auto­bahn waren und von unse­rem Feh­ler gelernt haben. Danach ging es flott. Von Kobe zu einer SA in Hime­ji und dort haben wir ein älte­res japa­ni­sches Ehe­paar getrof­fen, die tat­säch­lich Deutsch spre­chen konn­ten, da sie 13 Jah­re in Deutsch­land gelebt haben. Was ein Zufall! Bei wei­te­ren Gesprä­chen im Auto kam dann her­aus, dass sie in der Nähe von Stutt­gart gewohnt haben (ich kom­me aus Stutt­gart) und ihr Sohn momen­tan in Stutt­gart lebt und arbei­tet! Kras­ser Zufall! Nach­dem wir schließ­lich noch sogar Abend­essen von ihnen bekom­men haben, haben sie uns bei einer SA vor Hiro­shi­ma raus­ge­las­sen. Von dort war es dann ein Kin­der­spiel, in die Stadt zu kom­men und uns mit unse­ren Freun­den zu tref­fen.

Hoa

Anders als die Hin­fahrt lief die Rück­fahrt ent­spann­ter und um eini­ges schnel­ler, da wir ein­fach bes­ser vor­be­rei­tet waren. Es hat uns tat­säch­lich nur zwei Autos gebraucht, um von Hiro­shi­ma bis zu mei­ner Haus­tür in Osa­ka zu kom­men. Dabei war viel Glück, aber im Auto war ich dies­mal auch sehr auf­dring­lich (obwohl man mer­ken konn­te, dass der Fah­rer uns eigent­lich raus­schmei­ßen woll­te). Japa­ner sind ein­fach zu nett. Um ehr­lich zu sein, rate ich kei­nem, die­se Freund­lich­keit aus­zu­nut­zen. Aber wir, mei­ne Mit­frei­wil­li­ge und ich waren von den Aben­den vor­her so fer­tig, dass wir ein­fach mit allen Mit­teln so schnell wie mög­lich nach Hau­se woll­ten.

Wäh­rend wir an Stra­ßen­rän­dern stan­den und unse­re Schil­der hoch­ge­ho­ben haben, haben wir oft die Reak­tio­nen der Men­schen in den Autos gese­hen: Sie ent­schul­di­gen sich durch ein Kopf­ni­cken, lachen euch aus oder hal­ten an, um euch einen Kaf­fee und einen klei­nen Snack mit der Mes­sa­ge „Gebt nicht auf“ zu geben. Die meis­ten Japa­ner wer­den wahr­schein­lich zum ers­ten Mal Hitch­hi­ker sehen und die ver­schie­de­nen Reak­tio­nen sind an sich ganz wit­zig zu beob­ach­ten, sofern man sich an das Gefühl der Pein­lich­keit anfangs gewöhnt hat. Wer genug Zeit hat, Geld hin oder her, soll­te es auf jeden Fall pro­bie­ren. Man erlebt das Land auf eine neue Art und Wei­se ken­nen und stößt dabei auf die ver­schie­dens­ten Men­schen

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