Laura in Brasilien, Studium
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Was will sie essen?

Wenn man an Bra­si­li­en denkt, fal­len einem wahr­schein­lich Traum­strän­de ein, der far­ben­fro­he Kar­ne­val, aber auch Pro­ble­me mit Gewalt und Armut. Lau­ra macht in die­sem Bei­trag auf einen wei­te­ren Miss­stand auf­merk­sam: Die Behand­lung von Frau­en in der bra­si­lia­ni­schen Gesell­schaft.

Was will sie essen?” — So wer­de ich manch­mal begrüßt, wenn ich in männ­li­cher Beglei­tung in ein Restau­rant gehe. Wenn ich beim Ver­las­sen um die Rech­nung bit­te, könnt ihr euch sicher vor­stel­len, wem dann die Rech­nung gege­ben wird. Mir auf jeden Fall nicht. Wenn ich mich dann dar­über  beschwe­re, dass nicht mit mir, son­dern mit mei­nem männ­li­chen Beglei­ter über mich gespro­chen wird, heißt es ich sol­le nicht so viel schrei­en. Ist schließ­lich kei­ne Frau­en­sa­che, sei­ne Mei­nung zu sagen.

Das The­ma wird dann damit abge­tan, dass die Leu­te so mit mir sei­en, weil ich Aus­län­de­rin bin und sie nicht wis­sen, ob ich Por­tu­gie­sisch spre­che oder nicht. Aber – war­um pas­siert das dann nicht nur mir, son­dern auch zahl­rei­chen ande­ren Frau­en in Bra­si­li­en? War­um ist das dann so? Frau­en wer­den in einer machis­ti­schen Gesell­schaft wie in Bra­si­li­en als Eigen­tum, als Objekt der Män­ner gese­hen und nicht wie eine eigen­stän­di­ge Per­son.

Viel­leicht ist dann ja alles bes­ser, wenn man allei­ne unter­wegs ist, dach­te ich… Aber, wenn kein respek­tier­ba­rer Mann in der Nähe ist, dann wird ein­fach gar kei­ner respek­tiert. Die Leu­te schau­en einem auf der Stra­ße hin­ter­her, sie rufen däm­li­che Sprü­che. Wehe man sieht einen Teil von dei­nem BH oder man hat gar kei­nen an oder man hat eine etwas kur­ze Hose an. Dann muss man noch mehr Bli­cke und Sprü­che ertra­gen. Den meis­ten geht es nur um Sex. Haupt­sa­che man schaut ihnen nicht in die Augen, sonst den­ken sie noch, man sei inter­es­siert. Es ist etwas ein­fa­cher, allei­ne mit ande­ren Men­schen ins Gespräch zu kom­men, als in der Gegen­wart eines Man­nes. Trotz­dem ist es so gut wie unmög­lich, mit Ange­hö­ri­gen des ande­ren Geschlechts ein Gespräch über ernst­haf­te The­men zu füh­ren, bzw. The­men, die nicht dar­auf hin­aus­lau­fen, irgend­wann etwas mit­ein­an­der zu haben. Das führt dazu, dass es so gut wie unmög­lich ist, mit Män­nern befreun­det zu sein. Also befreun­det zu sein ohne mit­ein­an­der zu schla­fen. Bra­si­lia­ni­sche Män­ner kön­nen ihre Sexua­li­tät nicht kon­trol­lie­ren. Frau­en wer­den dazu gezwun­gen.

Das gilt natür­lich nicht für alle. Es gibt durch­aus Men­schen, die sich mit Geschlech­te­r­un­gleich­hei­ten und Beläs­ti­gung beschäf­ti­gen, aber es ist eine Min­der­heit und das Pro­blem struk­tu­rell. Prin­zi­pi­ell fin­det jeder Machos doof; aber kei­ner will zuge­ben, einer zu sein. Bra­si­li­en ist eines der Län­der mit der höchs­ten Femi­zid­ra­te der Welt und das Land, in dem die meis­ten Homo- und Trans­se­xu­el­len umge­bracht wer­den.

Zurück zu den Gesprä­chen. Die ein­zi­gen ernst­haf­ten Gesprä­che fin­den also zwi­schen Män­nern statt. Für Frau­en bleibt da nur noch Nich­ti­ges übrig. Frau­en wird nicht viel Platz ein­ge­räumt, sich in der Öffent­lich­keit zu bewe­gen. Offi­zi­ell schon. Aber fak­tisch ist das immer noch mit vie­len Vor­ur­tei­len ver­bun­den. Die Mehr­zahl der Poli­ti­ker sind Män­ner – und weiß. Für mich ist es unglaub­lich depri­mie­rend, die Nach­rich­ten zu lesen. Von vor­ne bis hin­ten geht es um Kor­rup­ti­on von wei­ßen Män­nern.

Jetzt wur­de beschlos­sen, dass in den Schu­len nicht mehr über Geschlech­ter unter­rich­tet wer­den darf, was vor­her auch schon nicht viel war. Es liegt also ganz bei den Fami­li­en, Geschlech­ter­ste­reo­ty­pe auf- oder abzu­bau­en. Eine Ver­bes­se­rung wird es so kaum geben.

Titelbild: Mother by Alex Oliveira via flickr (CC BY 2.0)

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