Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Mein stolzester Moment

Möch­test du mei­ne Mama sein?” Über­rascht und zuge­ge­ben leicht geschockt schaue ich eines unse­rer jüngs­ten Wai­sen­kin­der an. Ihre Mut­ter hat sie und ihren Bru­der aus­ge­setzt, seit über einem Jahr leben die bei­den in Good She­pherd. Sie ist zwei­fel­los einer mei­ner Lieb­lin­ge — aber Mut­ter sein? Das will ich dann ehr­lich gesagt doch nicht. Zumal ich mir gar nicht vor­stel­len kann, wie das in der Pra­xis funk­tio­nie­ren soll. Genervt ver­dreht sie die Augen: “Nein, nicht so rich­tig. Du sollst mir an der Abschluss­fei­er die Schär­pe anpinnen!”.

Eine Mil­li­on Stei­ne fal­len mir vom Her­zen, das nach­fol­gen­de Gespräch wäre wohl sehr schwie­rig gewor­den. Statt­des­sen nimmt ein rie­si­ges Lächeln mein Gesicht ein. Natür­lich will ich! Das Voll­enden des Kin­der­gar­tens, sowie der Jahr­gangs­stu­fen 6, 10 und 12 wird auf den Phil­ip­pi­nen groß gefei­ert, Ein­marsch mit den Eltern und Anpin­nen von Schär­pen durch die­se inklu­si­ve. Dass sie mich aus­er­wählt hat, Teil die­ses doch sehr wich­ti­gen Lebens­ab­schnitts zu sein und mich damit auch als Bezugs­per­son ehrt, bedeu­tet mir unglaub­lich viel.

An besag­tem Tag holt sie mich schon sehr früh per­sön­lich bei mei­nem Zim­mer ab. So schick habe ich mich schon lan­ge nicht mehr gemacht. Aus den Tie­fen mei­nes Wasch­beu­tels habe ich sogar irgend­wo Ohr­rin­ge hervorgekramt.

Ich kann gar nicht sagen, wer von uns bei­den auf­ge­reg­ter ist. Ganz fest klam­mert sie sich an mei­ne Hand und grinst zu mir nach oben. An mei­ner Brust klebt eine Schlei­fe auf der “Parent” steht. Obwohl ich natür­lich kein Eltern­teil bin, tra­ge ich sie mit unglaub­li­chem Stolz. Die­ses Gefühl schwebt über der gan­zen Ver­an­stal­tung — ich bin so unglaub­lich stolz, muss gleich­zei­tig Trä­nen und ein däm­li­ches Dau­er­g­rin­sen ver­drü­cken. Um uns her­um Eltern, Groß­el­tern und die übri­gen Absolventen. 

In die­sem Moment macht es nichts aus, dass uns bei­de kei­ne tat­säch­li­chen Fami­li­en­ban­de ver­bin­den. End­lich geht es los. Ihr Name wird auf­ge­ru­fen, dar­auf­hin mei­ner. Ich wer­de als “upod”, als Beglei­ter, bezeich­net. Das Wort passt für mich per­fekt. Ein Beglei­ter der ein Stück des Lebens­wegs mit­geht. Sie bei mir und ich bei ihr. Ich war noch nie so stolz.

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