Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
Schreibe einen Kommentar

Das Gesundheitssystem auf den Philippinen

Weni­ges schockt mich so sehr, wie die extre­men Gegen­sät­ze zwi­schen Arm und Reich auf den Phil­ip­pi­nen und wie die­se bei­den Wel­ten in einer Art fried­li­cher Koexis­tenz neben­ein­an­der bestehen und ich mich auf eine komi­sche Art und Wei­se in bei­den bewege.

Vor gut einem hal­ben Jahr, also rela­tiv zu Beginn mei­nes Auf­ent­halts, war eines unse­rer Wai­sen­kin­der krank. Sie glüh­te so rich­tig vor Fie­ber, sah schlaff und abge­kämpft aus. Man ver­mu­te­te Den­gue-Fie­ber, eine nicht sel­ten töd­lich enden­de und lei­der sehr häu­fi­ge, von Mücken über­tra­ge­ne, Krank­heit. Sehr besorgt beglei­te­te ich die Sozi­al­ar­bei­te­rin und das Kind ins Kran­ken­haus, auf den Phil­ip­pi­nen ersetzt auf Grund des Ärz­te­man­gels die Not­auf­nah­me den Haus­arzt. Im Kran­ken­haus von Gui­ma­ras küm­mert sich ein ein­zi­ger Arzt um eine Unmen­ge von Pati­en­ten mit allen mög­li­chen Gebre­chen, die oft schon im Mor­gen­grau­en Schlan­ge ste­hen, um ihr Lei­den an die­sem Tag noch begut­ach­tet zu bekom­men. All­ge­mein war ich von den Zustän­den im Kran­ken­haus ein­fach nur scho­ckiert, ich hat­te zwar nicht viel erwar­tet, was ich aber tat­säch­lich vor­ge­fun­den habe, hat jedes Hor­ror­sze­na­rio unterboten.

Unser Wai­sen­kind hat­te zum Glück kein Den­gue, aber einer Sache war ich mir nach die­ser Erfah­rung sehr sicher: “Hier möch­te ich NIE hin!”
In der letz­ten Woche ging es mir aber lei­der nicht so gut und ein Kran­ken­haus­be­such war irgend­wann unaus­weich­lich. Ich weiß noch, wie ich die Sozi­al­ar­bei­te­rin an die­sem Tag gefragt habe, was denn wäre, wenn es mir ein­mal schlech­te gin­ge und sie nur ganz unbe­sorgt gesagt hat:” Oh, du bist weiß, du brauchst dir kei­ne Sor­gen zu machen.”

Und so hart es klingt, sie hat­te voll­kom­men Recht. Ich habe eine wirk­lich unschlag­ba­re Kran­ken­ver­si­che­rung, die es mir mög­lich macht, die bes­ten Kran­ken­häu­ser auf­zu­su­chen und mir Medi­ka­men­te zu besor­gen, die nicht noch irgend­wel­che Beta-Tests durch­lau­fen müs­sen. Es hät­te wirk­lich kei­nen extre­me­ren Gegen­satz zwi­schen dem Land-Kran­ken­haus in Gui­ma­ras und der fast schon hotel­ar­tig anmu­ten­den, brand­neu­en Ein­rich­tung in Iloi­lo, die ich auf­ge­sucht habe, geben kön­nen. Mei­ne War­te­zeit betrug nicht ein­mal eine Minu­te, zeit­wei­se stan­den vier Ärz­te um mich her­um und jeg­li­ches Equip­ment war wirk­lich nagelneu.

Mitt­ler­wei­le geht es mir zum Glück bes­ser, einen blei­ben­den Ein­druck hat mei­ne Begeg­nung mit den unter­schied­li­chen Wel­ten der phil­ip­pi­ni­schen Kran­ken­be­treu­ung natür­lich trotz­dem hin­ter­las­sen. Und wie­der ein­mal unglaub­li­ches Ein­set­zen und Ärger über so extre­me Gegensätze.

Photo by Martha Dominguez de Gouveia on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.