Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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On the road — Das Tricycle

Kannst du Motor­rad fah­ren?” Mei­ne ers­te Woche in Good She­pherd, mein ers­ter Gang aufs Immi­gra­ti­on Office, mein Bür­ge und Fra­gen­stel­ler ist der Pfar­rer, der mich beglei­ten soll. Ich schaue ihn an, als hät­te er mich gefragt, ob ich flie­gen kann. “Hm, naja, ich ähm, ich habe einen Auto-Füh­rer­schein”, erklä­re ich ihm zöger­lich. Mit der Aus­sa­ge, ich kön­ne Auto fah­ren, hät­te ich mich wohl etwas weit aus dem Fens­ter gelehnt. Jetzt schaut er mich an, als hät­te ich ihn gera­de über mei­ne Flug­fä­hig­kei­ten unter­rich­tet. Ich kann nicht genau sagen, was ihm suspek­ter ist. Der Füh­rer­schein, der auf den Phil­ip­pi­nen mehr ein Schat­ten­da­sein führt, oder das Auto, wel­ches hier ein Zei­chen gro­ßen Reich­tums dar­stellt und nur von äußerst weni­gen beses­sen wird.

Er zuckt mit den Schul­tern, als kön­ne er sich selbst nicht so ganz ent­schei­den, wel­chen Teil mei­ner Ant­wort er selt­sa­mer fin­det und ver­kün­det:” Egal, wir neh­men das Tri­cy­cle.” Tri­cy­cle, das ist der phil­ip­pi­ni­sche Auto-Ersatz. Ein Motor­rad, an das, meist von den Män­nern der Fami­lie, ein Bei­wa­gen gezim­mert wird, so dass das Motor­rad letz­ten Endes neun Per­so­nen trans­por­tie­ren kann. Zwei auf dem Dach des Bei­wa­gens, je zwei auf Vor­der- und Rück­bank des­sel­ben und zwei hin­ter dem Fah­rer. Per­fekt für die phil­ip­pi­ni­sche Groß­fa­mi­lie und ide­al für den öffent­li­chen Trans­port, der zwar etwas teu­rer ist als das Jeep­ney, dafür aber jedes Ziel direkt ansteu­ert.

Die jewei­li­gen Fah­rer sind sehr stolz auf ihr Tri­cy­cle und pfle­gen und deko­rie­ren es mit gro­ßer Hin­ga­be, reich wird man vom haupt­be­ruf­li­chen Fah­ren aller­dings nicht. Viel zu groß ist die Kon­kur­renz zum einen durch ande­re Fah­rer und zum andern durch die Tat­sa­che, dass auch auf den Phil­ip­pi­nen die Moto­ri­sie­rungs­ra­te steigt und vie­le mitt­ler­wei­le einen eige­nen Rol­ler oder ein eige­nes Motor­rad besit­zen – mit dem dar­aus resul­tie­ren­den Preis­druck, denn trotz des kärg­li­chen Ver­dienst ist Tri­cy­cle-Fah­rer einer der am häu­figs­ten aus­ge­üb­ten Beru­fe, da er kei­ne Aus­bil­dung oder beson­de­ren Fähig­kei­ten erfor­dert. Und so war­ten Tag ein Tag aus auf den gan­zen Phil­ip­pi­nen unzäh­li­ge Tri­cy­cle-Fah­rer von früh Mor­gens bis spät in die Nacht hin­ein auf Men­schen wie mich und den Pas­tor an jenem Tag.

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