Freiwilligendienst, Luisa in der Slowakei
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Die Balance zwischen zu Viel und zu Wenig

Wäh­rend eines Aus­lands­jah­res hat man nicht unbe­dingt die Mög­lich­keit sich mit sei­nen Freun­den jede Woche zu tref­fen, son­dern es tren­nen einen meh­re­re tau­send Kilo­me­ter. In die­sem Blog­ein­trag möch­te ich euch mei­nen Umgang mit Freun­den und Fami­lie schil­dern. 

Schon auf dem Vor­be­rei­tungs­se­mi­nar wur­de das The­ma ange­spro­chen, dass man mit Freun­den und Fami­lie Abspra­chen tref­fen soll, wie viel Kon­takt man wäh­rend des Aus­lands­jah­res zu ihnen hat. Somit soll nie­mand belei­digt oder ent­täuscht sein. Da ich ein sehr gro­ßer Fami­li­en­mensch bin, war es für mich wich­tig einen gesun­den Umgang mit Nach­rich­ten und Sky­pen zu hal­ten. Mei­ne inner­li­che Ver­ein­ba­rung war, unge­fähr alle zwei Wochen mit ihnen zu Sky­pen. Außer­dem habe ich alle „unwich­ti­gen” Grup­pen auf stumm geschal­tet, so dass sie kei­ne extra Push-Mit­tei­lung anzei­gen. Extre­mer wäre es natür­lich aus all die­sen Grup­pen aus­zu­tre­ten, aber das woll­te ich nicht, weil ich vie­le der Grup­pen in Deutsch­land wie­der „brau­che”. Mit mei­nen bes­ten Freun­den habe ich kei­ne spe­zi­el­le Abma­chung gemacht, weil ich eh ein Mensch bin, der lie­ber per­sön­lich im Kon­takt ist, als stän­dig Nach­rich­ten zu schrei­ben. 

In der Slo­wa­kei stell­ten sich die ers­ten zwei Wochen als sehr komisch her­aus und mei­ne Eltern hät­ten ger­ne schon nach drei Tagen mit mir ges­kypt, aber das woll­te ich nicht. Ich woll­te die zwei Wochen aus­hal­ten, damit ich mich ein­le­ben kann. Das hat auch ganz gut funk­tio­niert und der ers­te Video­an­ruf war auch sehr lus­tig und ent­spannt. Im Ver­gleich zu mei­ner Mit­frei­wil­li­gen habe ich sehr viel Kon­takt zu mei­ner Fami­lie. Ich mag es, sie auf dem Lau­fen­dem zu hal­ten oder ihre Dis­kus­sio­nen über das Abend­essen in unse­rer Fami­li­en­grup­pe zu ver­fol­gen. An man­chen Tagen wün­sche ich mir natür­lich trotz­dem Zuhau­se zu sein, wie zum Bei­spiel ges­tern, als mei­ne Geschwis­ter Geburts­tag hat­ten und sie mit Freun­den und Ver­wand­ten gefei­ert haben. Aber auch die­sen Tag habe ich „über­stan­den” und ich lebe noch. Juhu! 

Im Umgang zu mei­nen drei bes­ten Freun­din­nen hat sich nicht viel ver­än­dert, da die eine Freund­schaft sowie­so auf einer Email- und Sky­pe-Freund­schaft basier­te. Die ande­re Freun­din sehe ich auch nur zwei bis drei­mal im Jahr und mei­ne drit­te Freun­din hat ein Kind bekom­men, des­halb hät­ten sich unse­re Tref­fen sowie­so ver­rin­gert. Mit der einen Freun­din habe ich ange­fan­gen alle zwei bis drei Mona­te zu Sky­pen und das ist auch noch­mal eine schö­ne, ande­re Ebe­ne der Freund­schaft. So gese­hen habe ich kein gro­ßes Pro­blem die Freund­schaft zu hal­ten, weil wir uns auch schon ewig ken­nen. Aber als Tipp könn­te ich geben, dass man ein­fach ab und zu mit­ein­an­der skypt oder man von sich aus eine Unter­hal­tung anfängt und von sei­nen letz­ten Erleb­nis­sen erzählt und auch ehr­lich ist und mit­teilt, wie es einem wirk­lich geht. 

Was ich ver­mis­se, ist mein Jugend­kreis aus der Gemein­de. Die­se Men­schen kann man ein­fach nicht ersetz­ten und ich habe hier auch kei­ne ähn­li­che Grup­pe gefun­den (die Sprach­bar­rie­re liegt ein­fach noch dazwi­schen). Die paar Male, die ich Zuhau­se war, war mir des­halb ganz wich­tig die­se Grup­pe zu besu­chen und es war schön zu sehen, dass ich immer noch Will­kom­men bin. 

Das heißt aber nicht, dass ich in der Slo­wa­kei jeden Frei­tag trau­rig bin, weil ich ger­ne in den Jugend­kreis gegan­gen wäre. Des­halb habe ich ange­fan­gen eine Grup­pe mit drei slo­wa­ki­schen Mädels zu besu­chen. Die­se Zeit gefällt mir auch sehr gut. Ich kann sie natür­lich nicht als Ersatz­grup­pe zäh­len, weil es ein­fach eine ande­re Grup­pe ist, die ich in der Zeit hier genie­ßen kann. 

Außer­dem habe ich hier auch ein paar Freund­schaf­ten geschlos­sen. Mit ihnen kann man Din­ge unter­neh­men und sich auf Kaf­fee und Kuchen im Café tref­fen. So gese­hen ist die Zeit hier eine schö­ne Pro­be und ich schät­ze mei­ne Freun­de und Fami­lie viel mehr wert, weil ich sie nicht immer um mich habe. 

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