Freiwilligendienst, Madita auf den Philippinen
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Die Geschichte von Analyn Maderable — Teil 2

Da ich schon in einem mei­ner letz­ten Bei­trä­ge über das Leben von Ana­lyn und ihrer Fami­lie geschrie­ben hat­te, habe ich mir über­legt sie zu inter­view­en, um euch noch mehr Ein­bli­cke in ein phil­ip­pi­ni­sches Leben geben zu kön­nen.

Falls ihr den ers­ten Teil ver­passt habt: Ana­lyn ist Kran­ken­schwes­ter und arbei­tet auch in Asi­lo. Sie ist 22 Jah­re alt und die Ältes­te von acht Geschwis­ter. Mit ihrer Arbeit als Kran­ken­schwes­ter ver­dient sie 10.000 Peso — das sind rund 166 Euro. Einen Groß­teil ihres Gehalts gibt Ana­lyn ihrer Fami­lie. Und das, obwohl ihre Fami­lie gar kei­nen so gro­ßen Stel­len­wert für sie hat.

Ana­lyn sagt sogar, dass Asi­lo mehr Fami­lie für sie ist, als ihre eigent­li­che Familie…das soll schon was hei­ßen. Am meis­ten liebt Ana­lyn an ihrem Job die Kir­che. Wäre sie in ihrem Bar­an­gay geblie­ben, hät­te sie nicht jeden Mor­gen die Mög­lich­keit gehabt, in die Kir­che zu gehen und an der Mes­se teil­zu­neh­men.

Sie mag ihren Job eigent­lich ganz ger­ne, es sei denn, ihre Pati­en­tin arbei­tet nicht so mit, wie sie es soll­te. Aber das hat man ja eigent­lich in jedem sozia­len Beruf mal 😊. Ihre Auf­ga­ben als pri­va­te Pfle­ge­rin rei­chen von Put­zen bis zu Arzt­be­su­chen und da blei­ben dann meis­tens nur 3 Stun­den pro Tag zum Aus­ru­hen übrig.

Übri­gens, der meist beleg­tes­te Stu­di­en­gang hier in den Phil­ip­pi­nen ist „Care­gi­ver“, da alle im Aus­land arbei­ten wol­len, um mehr Geld für die Fami­lie ver­die­nen zu kön­nen. Die­ses Stu­di­um dau­ert 2 Jah­re und kos­tet pro Semes­ter 6.000 Peso (ca. 100 Euro). Die­sen Job kann man im Grun­de mit dem Pfle­ge­as­sis­ten­ten in Deutsch­land ver­glei­chen. Die Assis­ten­ten dür­fen im Grun­de alles tun, was die Kran­ken­schwes­tern auch dür­fen. Die ein­zi­gen Unter­schie­de sind, dass die Kran­ken­schwes­tern Sprit­zen, hoch dosier­te Medi­ka­men­te oder spe­zi­el­le­re Anwei­sun­gen von Ärz­ten durch­füh­ren und die Assis­ten­ten eben nicht.

Auch Ana­lyn hat vor eines Tages im Aus­land zu arbei­ten. Zur­zeit ten­diert sie zu Kana­da, ist sich aber noch nicht ganz sicher. Zuerst möch­te sie hier ihre Fami­lie grün­den. Fami­lie grün­den und dann ins Aus­land? Jap, so läuft das hier lei­der wirk­lich… Ent­we­der, der Mann geht ins Aus­land oder die Frau, um dann das „dicke“ Geld aus Ame­ri­ka, Dubai oder auch Deutsch­land mit­zu­brin­gen.

Den ers­ten gro­ßen Schritt wird sie im Sep­tem­ber machen, dann wird sie näm­lich ihren Freund nach sechs Jah­ren Bezie­hung hei­ra­ten. Ich bin wirk­lich trau­rig, dass ich die­sen gro­ßen Tag nicht mehr mit­er­le­ben wer­de, da ich mir so ein Hoch­zeits­spek­ta­kel ger­ne mal ange­se­hen hät­te 😊.

Dann möch­te sie zwei Kin­der bekom­men — am bes­ten einen Jun­gen und ein Mäd­chen — und nach einem wei­te­ren Jahr ab ins Aus­land. Natür­lich blei­ben Mann und Kin­der Zuhau­se bzw. wer­den die Kin­der bei der Schwie­ger­mut­ter unter­ge­bracht und ihr Mann wird wei­ter­hin in Maasin als Elek­tro­ni­ker arbei­ten und sich nach der Arbeit um die Kin­der küm­mern.

Nun kom­men wir zum eigent­li­chen Leben in dem Bar­an­gay Abay. Die grund­le­gen­den Unter­schie­de zwi­schen dem „Dorf­le­ben“ und dem „Stadt­le­ben“ sind eigent­lich genau die­sel­ben, wie in Deutsch­land. In dem Bar­an­gay kennt sich jeder. Jeder grüßt jeden und in der Stadt ist es groß, laut und wuse­lig. Auf den ers­ten Blick nichts Beson­de­res. Doch was ist mit Elek­tri­zi­tät und flie­ßend Was­ser? Strom gibt es schon, aber dar­auf kann man sich im Gro­ßen und Gan­zen nicht ver­las­sen. Ein Strom­aus­fall nach dem ande­ren. Flie­ßen­des Trink­was­ser gibt es ja hier in den Phil­ip­pi­nen ohne­hin nicht, aber selbst das Was­ser fürs Kochen oder Waschen muss 20 Minu­ten mit dem Motor­rad aus dem Tal geholt wer­den. Also heißt es: Spar­sam damit umge­hen, sonst gibt es viel­leicht mal kei­ne Toi­let­ten­spü­lung für einen gan­zen Tag.

Ich hof­fe, ich konn­te euch einen guten Ein­blick in ein typisch phil­ip­pi­ni­sches Leben geben.

Zum Schluss noch ein nicht so schö­nes Update: Vor zwei Tagen ist die Pati­en­tin von Ana­lyn gestor­ben. Zum einen ist die­ser Vor­fall für mich sehr trau­rig, weil ich die­se Pati­en­tin sehr moch­te und sehr gut mit ihr klar­kam. Zum ande­ren heißt es nun für Ana­lyn war­ten bis eine neue pri­va­te Pati­en­tin in Asi­lo auf­taucht — wobei da dann auch noch nicht klar ist, ob Ana­lyn für die­se Pati­en­ten dann ein­ge­setzt wird — oder sie muss sich einen neu­en Job suchen.

Ich habe sie ges­tern spon­tan getrof­fen und habe lei­der das ungu­te Gefühl, dass ich sie jetzt erst­mal für eine län­ge­re Zeit nicht mehr sehen wer­de. Dar­über bin ich fast noch trau­ri­ger. Jetzt hat­te ich end­lich mal jeman­den net­tes und coo­les in Asi­lo getrof­fen und dann muss die­se Per­son gehen.

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