Freiwilligendienst, Madita auf den Philippinen
Schreibe einen Kommentar

Ein Deutscher in Iloilo

Vor eini­gen Tagen hat­te ich mal wie­der ein spon­ta­nes Tref­fen mit einem 80-jäh­ri­gen deut­schen Bekann­ten von mir. Ich ken­ne ihn seit mei­nem zwei­ten Monat hier und er konn­te mir schon oft bei Fra­gen oder klei­ne­ren Pro­ble­men hel­fen.

Trotz sei­ner 80 Jah­re ist er ist nach wie vor ein sehr fit­ter, rede­lus­ti­ger Mann. Ich habe immer das Gefühl, dass er mir ger­ne sei­ne gan­ze Lebens­ge­schich­te erzählt, die durch­aus inter­es­sant ist. Frü­her war er Hotel­ma­na­ger, über­all auf der Welt, von Hong Kong bis nach Eng­land. Im Grun­de ist er sein gan­zes Leben lang von einem Job zum nächs­ten gereist. Er hat­te nie einen fes­ten Wohn­sitz und seit sei­nem 20. Lebens­jahr hat er nicht mehr in Deutsch­land gelebt. Nur für Besu­che ist er mal wie­der für kur­ze Zeit zurück­ge­gan­gen.

Sein gesam­ter Lebens­stil hat mich sehr inspi­riert. Bei der Fra­ge, ob er irgend­was anders machen wür­de, wenn er sein Leben noch­mal leben könn­te, ver­nein­te er sehr schnell. Er hat zwar gera­de mal eine Ren­te von 300 Euro, da er ja nur in sei­ner Aus­bil­dung und wäh­rend sei­nes Wehr­diens­tes in die Ren­te ein­ge­zahlt hat­te. Aber trotz­dem ist er sehr glück­lich mit sei­nen Ent­schei­dun­gen. Zumin­dest mit sei­ner Ent­schei­dung, kei­nen fes­ten Wohn­sitz zu haben und über­all auf der Welt zu leben.

Die ein­zi­ge Ent­schei­dung, die er bereut, ist die Wahl von Iloi­lo. Er lebt seit 10 Jah­ren hier und sei­nen Wor­ten nach war­tet er hier auf sei­nen Tod… Ich war geschockt, als er die­sen Satz sag­te, aber er hat tat­säch­lich kei­ne Mög­lich­kei­ten mehr woan­ders zu leben oder irgend­wel­che Abend­teu­er zu wagen. Er hat­te sich vor 10 Jah­ren für Iloi­lo ent­schie­den, weil er hier so vie­le Men­schen kann­te. Nun sind die meis­ten gestor­ben und er ist die meis­te Zeit allei­ne. Was soll man auch in einer Stadt wie Iloi­lo die gan­ze Zeit machen? Das Meer ist zwar nah, aber der Strand von Iloi­lo ist wirk­lich nicht schön anzu­se­hen. Er redet sehr kri­tisch über Iloi­lo und vor allem über die Deut­schen, die sich hier mit ihren phil­ip­pi­ni­schen Frau­en nie­der­ge­las­sen haben. Bei unse­rem Gespräch erwei­ter­te er näm­lich mei­ne Sicht­wei­se auf die männ­li­chen deut­schen Rent­ner in Iloi­lo.

Ich war rela­tiv am Anfang mei­ner Zeit hier an einen Abend bei einem deut­schen Tref­fen. Fragt mich nicht, was ich da woll­te und ich weiß auch nicht was ich dach­te, was mich dort erwar­ten wür­de. Naja jeden­falls waren unge­fähr 20 bis 25 deut­sche Män­ner 60+ dort. Ich hat­te durch­aus inten­si­ve Gesprä­che, habe aber schnell gemerkt, dass ich von da an einen gro­ßen Bogen um sol­che Tref­fen machen wür­de.

Wir bei­de kamen dann bei unse­rem Gespräch auch wie­der auf das The­ma „Deut­sche Rent­ner mit jun­ger Fili­pi­na“. Ich war ziem­lich vor­ein­ge­nom­men die­sem The­ma gegen­über. Ich dach­te, die­se Män­ner wür­den hier wie die Köni­ge leben und dies auch groß breit­tre­ten. Ich dach­te, sie wür­den sich mit ihrer jun­gen Fili­pi­na zufrie­den­ge­ben und noch­mal die letz­ten Jah­re Spaß mit ihr haben. Mein Bekann­ter klär­te mich dann auf, dass kei­ner von die­sen 25 Män­nern unbe­dingt mehr Geld zur Ver­fü­gung habe als er selbst. Vor allem wird deren gesam­tes Geld oft für die Fami­lie der Frau aus­ge­ge­ben. Da die reichs­te Per­son aus der Fami­lie immer für die Ärme­ren sor­gen muss, bleibt am Ende nicht mehr all­zu viel für ihn selbst übrig. Also heißt es trotz­dem wie­der: Spar­flam­me an.

Er mein­te auch, dass im Grun­de kei­ner von ihnen glück­lich sei über die Ent­schei­dung, hier zu leben. Ja, hier ist es um eini­ges güns­ti­ger als in Deutsch­land, aber trotz­dem hat man nicht weni­ger Pro­ble­me. Man hat hier locker genau­so vie­le wie in Deutsch­land, sie sind nur ein­fach anders.

Ich für mei­nen Teil weiß, dass ich lie­ber mei­ne letz­ten Tage auf einer der 7.000 ande­ren Inseln ver­brin­gen wür­de als hier in Iloi­lo, zum Bei­spiel Cebu. Die­se Insel kann ich wirk­lich nur wärms­tens wei­ter­emp­feh­len.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.