Freiwilligendienst, Ronja auf den Philippinen
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Abschied auf Raten

Ron­jas Frei­wil­li­gen­dienst auf den Phil­ip­pi­nen neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr ist rum. Was das mit ihr macht, erzählt sie uns in ihrem neu­es­ten Blog­ar­ti­kel.

Der Boden unse­res Zim­mers ist über und über mit Büchern, Bil­dern und Klei­dung bedeckt. Ein gan­zes Jahr liegt vor mir.

Andenken von zu Hau­se, mein kost­bars­ter Schatz, den ich die letz­ten elf Mona­te immer wie­der in den ver­schie­dens­ten Momen­ten her­vor geholt habe — der dicke Pul­li, den ich gekauft habe, als ich bemerkt habe, dass es in der Regen­zeit mit­un­ter dann doch ganz schön frisch wer­den kann und der mir in den letz­ten Wochen wie­der gute Diens­te erweist — mei­ne Unter­la­gen vom Immi­gra­ti­on Office, das ich ver­gan­ge­ne Woche zum letz­ten Mal auf­ge­sucht habe.

Mein Aben­teu­er geht zu Ende und es endet wie es ange­fan­gen hat: Mit dem Aus­räu­men eines Zim­mers und mit der Fra­ge “Was neh­me ich mit?“Heute bricht nicht nur mein letz­ter Monat, son­dern auch mei­ne letz­te voll­stän­di­ge Woche in Good She­pherd an. Nächs­ten Mitt­woch wer­de ich schon nach Kam­bo­dscha auf­bre­chen und danach nur noch drei Tage in Good She­pherd leben.

Ich habe es wirk­lich geschafft. Vor genau einem Jahr saß ich noch in mei­nem Vor­be­rei­tungs­se­mi­nar, jetzt geht es zurück nach Deutsch­land und plötz­lich kommt mir das Jahr wie­der ganz kurz vor, als wäre ich kaum weg­ge­we­sen. Das Zim­mer, das mein Zuhau­se auf Zeit war, ver­wan­delt sich lang­sam wie­der in den anony­men Raum, der mich emp­fan­gen hat, der Regen pras­selt unbarm­her­zig vom Him­mel her­ab, wie in mei­ner Anfangs­zeit. Der Kreis schließt sich.

Es ist ein Abschied auf Raten, immer stück­chen­wei­se, mund­ge­rech­te Por­tio­nen. Vom Immi­gra­ti­on-Office, vom Zim­mer, von Madi­ta, die bereits die­se Woche auf Rei­sen geht, von unse­rer Sozi­al­ar­bei­te­rin Nang Bing mit der ich die­se Woche das letz­te Mal arbei­te. In drei Wochen flie­ge ich schon nach Hau­se; “lea­ving for good” in Visum-Sprech. Und dann fängt alles wie­der von vor­ne an: mit einem aus­ge­räum­ten Zim­mer.

Photo by Lubov' Birina on Unsplash

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