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Filmreise durch Tansania

Tan­sa­nia — das geweih­te Land von Sim­ba und Mufa­sa, Savan­ne soweit das Auge reicht. Die­se Vor­stel­lung hat­te ich, als ich die Zusa­ge für ein Deutsch-Tan­sa­ni­sches Doku­men­tar­film­pro­jekt bekam. Doch es soll­te anders kom­men…

Die Rei­se begann in Dar­es­sa­lam, der größ­ten Stadt Tan­sa­ni­as direkt an der Küs­te zum indi­schen Oze­an. Wir, alles jun­ge Leu­te aus Deutsch­land und Tan­sa­nia, kamen im „Tif­fa­ny Dia­mond Hotel“ unter. Der Name des Hotels war wirk­lich Pro­gramm, die gan­ze Lob­by glit­zer­te und fun­kel­te. Alles super schick, nur die Bil­der an den Wän­den waren alle schief.

Mit einem win­zi­gen Rei­se­bus, der sei­ne bes­ten Tage schon hin­ter sich hat­te, ging es am nächs­ten Tag los nach Dodo­ma, der Haupt­stadt Tan­sa­ni­as. Das Ein­la­den der Kof­fer glich dem Spiel „Tetris“ und ich weiß bis heu­te nicht, wie wir alle in den Bus gepasst haben. Die Fahrt nach Dodo­ma dau­er­te einen gan­zen Tag lang, aber durch das Fens­ter konn­te ich eini­ges vom Land sehen. Vie­le Men­schen saßen drau­ßen vor ihren Häu­sern oder Ver­kaufs­stän­den und sobald der Bus anhielt, wur­de ver­sucht, uns Bana­nen oder Nüs­se zu ver­kau­fen. Ein­mal wur­den wir sogar von der Poli­zei ange­hal­ten und muss­ten Geld bezah­len. Natür­lich nur, weil eini­ge nicht ange­schnallt waren und nicht, weil der Bus vol­ler euro­päi­scher Men­schen war.

Die Unter­kunft in Dodo­ma, das „Fan­ta­sy Resort“ hät­te auch ein ver­las­se­ner Spaß­park aus einem Hor­ror­film sein kön­nen. Kei­ne Gäs­te außer unse­rer Grup­pe, ein Spring­brun­nen aus Del­phi­nen, der nicht lief, Dis­ney­mu­sik am men­schen­lee­ren Pool, schon alles ein biss­chen gru­se­lig. Tat­säch­lich aber dien­te das Resort als Wochen­en­dort für Fami­li­en aus der Stadt. Mit Kin­dern auf dem Spiel­platz und Men­schen im Pool wirk­te alles dann doch nicht so schlimm.

Ein tol­les Erleb­nis war der Besuch eines Mark­tes in Dodo­ma. Kunst­voll dra­pier­tes Obst und Gemü­se, neue Gerü­che und Geräu­sche, in die­sem Moment hat­te ich zum ers­ten Mal das Gefühl, ange­kom­men zu sein. Auf dem Markt gab es alles, von Schmuck über Bleich­mit­tel als Bodylo­tion für „tol­le Haut“, Radi­os und Klei­dung war alles dabei.

Nach eini­gen Tagen ging der Film­dreh los. Das The­ma unse­rer Doku ist second-hand Klei­dung und unser Haupt­dreh­ort der Markt „Saba­sa­ba“. Um vor Ort dre­hen zu dür­fen, muss­ten wir uns per­sön­lich beim Markt­ma­na­ger vor­stel­len. In einer klei­nen, dunk­len Blech­hüt­te am Rand des Mark­tes saßen wir wie die Hüh­ner auf der Stan­ge und gaben uns den kri­ti­schen Fra­gen des Mana­gers hin. Das beson­de­re an ihm- er ist ein Albi­no. Spä­ter lern­ten wir, dass Albi­nos in Tan­sa­nia oft von „Hei­lern“ ver­folgt und getö­tet wer­den, um ihre Kno­chen zu Heil­trän­ken zu ver­ar­bei­ten. Daher wer­den Albi­nos von ihren Mit­men­schen stark beschützt und geach­tet.

Das Dre­hen stell­te sich schwie­ri­ger her­aus als gedacht. Vie­le der Ver­käu­fer waren kri­tisch, denn sie hat­ten schlech­te Erfah­run­gen mit wei­ßen Men­schen und Kame­ras gemacht. Eini­ge der Ver­käu­fer mein­ten, dass Wei­ße oft in die Märk­te kämen, und die Arbeit und das Leben der Ein­hei­mi­schen als „Armut“ dar­stel­len, um die Auf­nah­men an NGOs zu ver­kau­fen. Eine wich­ti­ge Sache, die ich gelernt habe, ist: Nichts ist bes­ser oder schlech­ter, es ist nur anders. Nur weil vie­le Men­schen in Tan­sa­nia weni­ger Geld haben als der Durch­schnitts­deut­sche, heißt es nicht, dass sie weni­ger glück­lich sind. Ich war froh Joy­ce dabei­zu­ha­ben, eine unglaub­lich enga­gier­te Tan­sa­nie­rin, die unser Vor­ha­ben den Ver­käu­fern erklä­ren konn­te und das Ein­ver­ständ­nis ein­hol­te. Sobald die Prot­ago­nis­ten ver­stan­den hat­ten, dass mein Team und ich nur Stu­den­ten sind, die einen Film dre­hen, waren sie sehr offen und gast­freund­lich und wir haben viel zusam­men gelacht.

Teil der Rei­se war auch ein Kurz­trip nach San­si­bar. Auch hier wur­de schnell klar, dass die Rea­li­tät ganz anders aus­sieht als auf Insta­gram, wo alle nur die schöns­ten Ecken der Insel zei­gen. Unse­re Unter­kunft war umge­ben von her­un­ter­ge­kom­me­nen Plat­ten­bau­ten, ein Über­bleib­sel aus DDR-Zei­ten. Der Grund unse­res Trips nach San­si­bar war der Besuch des ältes­ten Fern­seh­sen­ders Ost­afri­kas und eines Film­fes­ti­val­bü­ros. Lei­der hat sich hier die tan­sa­ni­sche Ver­gess­lich­keit gezeigt — trotz Ankün­di­gung wuss­te in bei­den Fäl­len angeb­lich nie­mand mehr, dass wir einen Ter­min zur Besich­ti­gung hat­ten.

Ein kuli­na­ri­sches High­light begeg­ne­te uns dafür auf einem Food­mar­ket in der Nähe von „Stone­town“. Nach Son­nen­un­ter­gang bau­en tan­sa­ni­sche Köche dort ihre Stän­de auf und backen „San­si­bar Piz­za“, ein Gericht aus zwei klei­nen, run­den Teig­schei­ben, gefüllt mit Gemü­se, Ei, Käse und ganz viel Mayo. Klingt außer­ge­wöhn­lich, ist es auch- aber ziem­lich lecker!

Obwohl ich den Anwei­sun­gen von „Haku­na Mata­ta“, Kis­wa­hi­li für „kein Sor­gen“ nicht ganz fol­gen konn­te und die Rei­se nach Tan­sa­nia mich vie­le Ner­ven und Trä­nen gekos­tet hat, möch­te ich nichts des Erleb­ten mis­sen. Ich habe ein Land erlebt, wie es wirk­lich ist und nicht, wie die geschön­te Soci­al-Media-Welt es prä­sen­tiert. Ein Land vol­ler Über­ra­schun­gen, mit lie­ben, gast­freund­li­chen Men­schen und fas­zi­nie­ren­den Geschich­ten. Trotz der Tat­sa­che, dass es für mich statt Savan­ne nur Savan­na gab (ein echt lecke­rer Apfel­cid­re) und ich erfah­ren muss­te, dass Sim­ba ein­fach nur „Löwe“ auf Kis­wa­hi­li heißt, war es defi­ni­tiv eine Rei­se, die ich nie ver­ges­sen wer­de.

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