Elena in Rumänien, Freiwilligendienst
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Der beste Sprachkurs: Lernen mit Kindern

Heu­te will ich euch mehr von mei­ner Tätig­keit hier beschrei­ben. Erst­mal zum Kon­zept: Das Zen­trum Lumea lui Pinoc­chio ist ein Tages­zen­trum für Kin­der und Jugend­li­che, über­wie­gend aus Roma und Sin­ti Fami­li­en. Die Kin­der kom­men nach der Schu­le zu uns und wir essen zusam­men und machen Haus­auf­ga­ben. Danach machen wir oft etwas Krea­ti­ves oder Bewe­gungs­spie­le drau­ßen und auch eine Schnit­zel­jagd durch Pan­ciu haben wir schon gemacht.

Größ­ten­teils wol­len wir natür­lich, dass die Kin­der Spaß haben, aber auf der ande­ren Sei­te ver­su­chen wir auch, ihre Bil­dung wei­ter zu unter­stüt­zen. Fast allen feh­len die Grund­la­gen. Nur weni­ge kön­nen wirk­lich lesen, schrei­ben oder ohne Pro­ble­me mit grö­ße­ren Zah­len rech­nen. Und das nicht, weil sie dumm sind oder ein­fach kei­ne Lust haben, son­dern weil die meis­ten im Schul­sys­tem kom­plett unter­ge­hen und zu Hau­se, dadurch dass fast alle Eltern Analpha­be­ten sind, auch nicht unter­stützt wer­den kön­nen. Dazu kom­men oft auch noch Pro­ble­me, wie Alko­hol­ab­hän­gig­keit oder Gewalt, kurz: Ihnen fehlt oft ein­fach die nöti­ge Hilfe. 

Des­halb haben wir mit einem spe­zi­el­len Nach­mit­tags­pro­gramm ange­fan­gen, bei wel­chem wir, die Basen wei­ter auf­bau­en wol­len. Wir ver­su­chen alles soweit wie es geht non for­mal zu machen, damit sie Spaß haben und am Ball blei­ben. Das ist oft aber nicht ein­fach, weil den meis­ten eben die nöti­ge Struk­tur und damit ver­bun­den auch die Moti­va­ti­on fehlt, aber mit den rich­ti­gen Wegen konn­ten wir schon eini­ges machen — und mit der Zeit bin ich wirk­lich krea­tiv gewor­den! Wir haben zum Bei­spiel ein Spiel ein­ge­führt, bei dem die Kin­der ein Wort mit ihrem Po schrei­ben müs­sen und die ande­ren raten. Oder ein gro­ßes Rechen­spiel bei dem die Ergeb­nis­se für die ein­zel­nen Auf­ga­ben über­all im Raum ver­steckt sind und gefun­den wer­den müs­sen, also: es bleibt spannend.

Auch wenn es natür­lich klar ist, dass das Leben der Kin­der nicht durch ein Nach­mit­tags­pro­gramm von Frei­wil­li­gen geän­dert wird, ist es wirk­lich wich­tig, die Basen sicher­zu­stel­len, um so den ers­ten Schritt zu machen, um den Kreis­lauf zu durch­bre­chen. Mit eini­gen Kin­dern, mit denen ich in den letz­ten Wochen regel­mä­ßig Plus und Minus Auf­ga­ben gemacht habe, konn­te ich schon klei­ne Fort­schrit­te beob­ach­ten. Die Kin­der dann so stolz zu sehen, war unbeschreiblich!

Was die Spra­che angeht, habe ich die Erfah­rung gemacht, dass man mit nie­man­dem bes­ser ler­nen kann als mit Kin­dern! Weil fast nie­mand von ihnen Eng­lisch spricht, haben wir gar kei­ne ande­re Wahl als alles auf Rumä­nisch zu machen und so kom­men die Fort­schrit­te ziem­lich schnell. Die belieb­tes­ten Sät­ze blei­ben: „Nu vreau“ (Ich will nicht) „Nu mai vor­besc cu tine“ – (Ich rede nicht mehr mit dir), aber auch „Te iubesc“ (Ich lie­be dich)😊

Natür­lich macht nicht immer alles Spaß. Vie­les, was ich mir vor­ge­stellt habe, läuft hier ganz anders und manch­mal fällt es mir schwer, nicht gleich zu urtei­len. Ich mer­ke aber auch, wie ich mich mehr und mehr zu Hau­se füh­le und immer enge­re Bezie­hun­gen auf­baue. Ich ver­su­che ein­fach wei­ter­hin, so offen wie mög­lich zu blei­ben und auch die eher unschö­nen Erfah­run­gen irgend­wie zu nut­zen! Ansons­ten, freue ich mich über alle Vor­schlä­ge für unüb­li­che Ideen zum Schrei­ben und Rech­nen und natür­lich sons­ti­ge Anregungen.

Lie­be Grü­ße und bis bald!

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