Elena in Rumänien, Freiwilligendienst
Schreibe einen Kommentar

Zeit ist etwas Seltsames

Hier bin ich wie­der! Wenn ich dar­an den­ke, dass ich jetzt schon fast an der Hälf­te mei­nes Frei­wil­li­gen­diens­tes ange­kom­men bin, bestä­tigt sich mei­ne The­se von vor­her nur — Zeit ist etwas Seltsames. 

Ein Teil von mir freut sich, wie­viel ich von mei­nem Weg schon geschafft habe, auch weil ich gro­ßen Respekt vor die­sem Schritt hat­te und immer noch habe. Auf der ande­ren Sei­te graut mir vor dem Gedan­ken, wie­viel Zeit jetzt schon ver­gan­gen ist, und dass mir außer der Erin­ne­rung nichts mehr davon bleibt.

Nichts­des­to­trotz, ich bin total glück­lich sagen zu kön­nen, dass ich mich wirk­lich lang­sam zu Hau­se füh­le! In den letz­ten Wochen habe ich immer mehr das Gefühl bekom­men, hier wirk­lich ange­kom­men zu sein, und nicht alle zwei Sekun­den zu den­ken „Ich bin in Rumä­ni­en!“, wie es noch in der ers­ten Zeit war. Ich kann gar nicht genau sagen, wie sich die­ses Gefühl ein­ge­stellt hat. Wahr­schein­lich spie­len die Ver­bin­dun­gen, die ich vor allem mit mei­nen Mit­frei­wil­li­gen und mit den Kin­dern auf­ge­baut habe, eine gro­ße Rol­le. Sicher­lich aber auch die Ver­bun­den­heit zu den klei­nen Din­gen im All­tag. Außer­dem habe ich vie­le Sachen, ent­deckt und selbst mit­er­lebt, die hier nor­mal sind, bei uns aber gar nicht vor­kom­men. Die­se Sachen sind jetzt Teil mei­nes All­tags. Drei davon will ich hier mit euch teilen.

Ciorbă und Ceapă

Jeden Tag essen wir mit den Kin­dern zusam­men zu Mit­tag, und fast an jedem die­ser Tage, gibt es Ciorbă, eines der tra­di­tio­nel­len Gerich­te Rumä­ni­ens. Cior­bă ist eine Sup­pe, die eigent­lich alles ent­hal­ten kann, Gemü­se, Kar­tof­feln oder Fleisch, bei uns besteht sie aber meis­tens größ­ten­teils aus Was­ser. Anfangs habe ich mich noch total gefreut, dass es täg­lich etwas tra­di­tio­nell Rumä­ni­sches gibt, jetzt muss ich aber ehr­lich zuge­ben, dass ich es lang­sam nicht mehr sehen kann.

Aber, egal ob es Cior­bă oder auch mal was ande­res gibt, die Kin­der schrei­en immer: „Cea­pă! Cea­pă!“: Über­setzt bedeu­tet das „Zwie­bel!“ und das ist ziem­lich lus­tig, weil sie rie­sen­gro­ße, rohe Zwei­bel­stü­cke erst in Salz tun­ken und sich dann in den Mund ste­cken. Ich habe es mehr­mals pro­biert und fin­de es nicht beson­ders lecker, hier ist es aber üblich. Anfangs konn­te ich das über­haupt nicht ver­ste­hen, jetzt schnei­de ich sel­ber die Zwiebel 😊

Manele

Eine der bes­ten Ent­de­ckun­gen, die ich in Rumä­ni­en gemacht habe: Manele! Es ist eine Mischung aus tra­di­tio­nel­ler rumä­ni­scher Musik und zeit­ge­nös­si­schem Pop, ursprüng­lich aus dem Bal­kan.  Größ­ten­teils sind die Hörer aus der Roma Com­mu­ni­ty. Auch unse­re Kin­der hören es unun­ter­bro­chen und tan­zen dazu – und das haut mich jedes Mal um. Ich habe auch ver­sucht etwas zu ler­nen, aber mehr­mals gesagt bekom­men, dass ich abso­lut kein Talent habe. Trotz­dem habe auch ich ange­fan­gen, immer und über­all Manele zu hören und mitt­ler­wei­le ist es mei­ne Musik zu jeder Lebenssituation.

Höflichkeit

Wenn es um Höf­lich­keit geht, gibt es wahr­schein­lich in jedem Land bestimm­te Regeln und Din­ge, die als beson­ders höf­lich oder unhöf­lich gel­ten. Hier habe ich den Ein­druck, dass beson­ders viel Wert auf die­se For­ma­li­tät gelegt wird, viel­leicht auch weil es zu gro­ßen Tei­len noch recht tra­di­tio­nell geprägt ist. Das zeigt sich vor allem in der Spra­che: Spricht man hier jemand Frem­den an, wird die Anre­de „Doam­na“ oder „Dom­nu“ ver­wen­det, was über­setzt Dame und Herr bedeu­tet. Anfangs hat mich auch das ziem­lich ver­wun­dert und in mei­nen Ohren klang es immer ein biss­chen über­trie­ben. Mitt­ler­wei­le mache ich das aber sel­ber, und fin­de es sogar ganz schön, ich hof­fe nur, dass ich zurück in Deutsch­land die Leu­te auf der Stra­ße nicht mit Herr und Dame anspreche.

Auch wenn das jetzt alles nur Klei­nig­kei­ten sind — mir geben genau die­se Details im All­tag Ver­traut­heit und machen mei­ne gan­ze Erfah­rung bun­ter. Ich fin­de es super span­nend zu sehen, wie kul­tu­rel­le Unter­schie­de zuerst immer so prä­sent sind, dann irgend­wann aber unter­ge­hen und nicht mehr wich­tig sind oder viel­leicht sogar zu etwas wer­den, was du mit nach Hau­se nimmst.

Und wer weiß, viel­leicht ver­bes­sert sich mein Tan­zen auch noch 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.