Elena in Rumänien, Freiwilligendienst
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Living library in Panciu

Lange Zeit ist es her – hier bin ich wieder! In den letzten Wochen ist der Sommer ausgebrochen, es sind täglich fast 40 grad und ich war manchmal ein bisschen träge.

Lang­sam neigt sich auch mei­ne Zeit hier dem Ende zu. Noch will ich das nicht wirk­lich wahr­ha­ben, weil ich mich hier mitt­ler­wei­le so zu Hau­se füh­le. Ich weiß noch, wie gro­ße Angst ich hat­te, als ich von mei­nem zu Hau­se in Ber­lin weg­ge­gan­gen bin, weil ich mei­ne Kom­fort­zo­ne so ziem­lich kom­plett ver­las­sen habe. Jetzt aber, da ich immer wenn ich raus­ge­he, irgend­je­man­den tref­fe, mit dem ich mich unter­hal­te, die Nach­spei­sen­kar­te mei­nes Lieb­lings­re­stau­rants aus­wen­dig ken­ne und mir sogar der Mann, bei dem ich unser Gemü­se kau­fe, ans Herz gewach­sen ist, ist mein Leben hier jetzt mei­ne Kom­fort­zo­ne gewor­den. Die wer­de ich jetzt bald wie­der ver­las­sen und ich brau­che noch ein biss­chen, um das zu rea­li­sie­ren. Des­halb freue ich mich umso mehr, dass wir vor Kur­zem ein Event hat­ten, bei dem ich ein biss­chen reflek­tie­ren konn­te: Über mei­ne Arbeit und über das Kon­zept von Frei­wil­li­gen­diens­ten – The living library.

The living libra­ry ist ein Kon­zept, ursprüng­lich aus Däne­mark, mitt­ler­wei­le aber auf der gan­zen Welt, des­sen Ziel es ist, Vor­ur­tei­len und Dis­kri­mi­nie­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Das Gan­ze funk­tio­niert wie eine Biblio­thek, nur dass es statt Bücher Men­schen sind, die ihre Geschich­te erzäh­len. Meist sind das Men­schen, die in irgend­ei­ner Wei­se dis­kri­mi­niert wer­den und das mit Ande­ren tei­len wol­len, um so mehr Auf­merk­sam­keit zu schaf­fen. Es kom­men also Leu­te und spre­chen mit den Büchern über deren Geschich­ten, kön­nen Fra­gen stel­len und so im bes­ten Fal­le, ein biss­chen was von ihren Vor­ur­tei­len aufgeben.

Dem­entspre­chend haben wir uns vor­be­rei­tet, Bücher zu wer­den — und das hat wirk­lich super viel Spaß gemacht! Von uns Frei­wil­li­gen ist zum Glück soweit kei­ner wirk­lich Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt, trotz­dem woll­ten wir die­se Idee nut­zen, um über für uns rele­van­te The­men zu sprechen.

Ich habe lan­ge über­legt, was ich ger­ne tei­len möch­te und habe mich dann am Ende dafür ent­schie­den, es sim­pel zu hal­ten und ein­fach über mei­ne Erfah­run­gen zu spre­chen, mit sozi­al benach­tei­lig­ten Kin­dern zu arbei­ten. Der Haupt­grund dafür war, dass das hier sehr oft auf Ungläu­big­keit und teil­wei­se auch Dis­kri­mi­nie­rung gesto­ßen ist.

Oft ist mir gesagt wor­den, dass die­se Arbeit sinn­los ist, weil “am Ende eh alle Die­be wer­den und den gan­zen Tag nichts machen“ und teil­wei­se ist mir sogar vor­ge­schla­gen wor­den, mei­ne Beschäf­ti­gung zu wech­seln – und das von frem­den Menschen.

Ich wol­le die living libra­ry also wirk­lich nut­zen und war dem­entspre­chend ganz schön auf­ge­regt. Am Ende habe ich dann ein­fach beschlos­sen, von mei­ner Zeit hier zu erzäh­len und ehr­lich zu sein. Ich habe also nichts beschö­nigt und auch von den nega­ti­ven Sei­ten berich­tet, wie vie­le von unse­ren Kin­dern nicht mehr zur Schu­le gehen, aber dass es eben genau des­halb wich­tig ist, sie zu unter­stüt­zen und ihnen so die Struk­tur zu geben, die ihnen fehlt. Gleich­zei­tig habe ich auch von den schö­nen Momen­ten erzählt, wie ich Fort­schrit­te beob­ach­ten konn­te, im Ver­hal­ten unter­ein­an­der und wie sie mit Gegen­stän­den umge­hen und wie­viel Lie­be und Kraft sie geben.

Durch die­ses Pro­jekt habe ich sel­ber gemerkt, wie stolz ich auf das bin, was ich die­sen Mona­ten gemacht habe und wie sehr ich von den Kin­dern geschwärmt habe. Zum Schluss habe ich immer alle ein­ge­la­den, uns im Zen­trum besu­chen zu kom­men und tat­säch­lich ist auch schon eine mei­ner Lese­rin­nen vorbeigekommen.

Ich habe mich so gefreut zu sehen, wie inter­es­siert die Men­schen zuge­hört haben und anders­her­um war ich glück­lich, wie­viel Posi­ti­ves ich erzäh­len konn­te, von der Gast­freund­schaft vie­ler Men­schen oder von ein­zel­nen klei­nen Geschich­ten, wenn mich frem­de Leu­te zum Tan­zen auf­ge­for­dert haben.

 Natür­lich ist das nur ein sehr klei­ner Schritt. Die erfolg­rei­che Inklu­si­on der Roma Com­mu­ni­ty ist immer noch weit ent­fernt, aber ich bin über­zeugt, dass sol­che klei­nen Momen­te auf lan­ge Sicht etwas ver­än­dern können.

Das Kon­zept der Living Libra­ry hat mich in jedem Fal­le über­zeugt, ich fin­de den Gedan­ken schön, einen Raum zu schaf­fen, in dem wir offen über Pro­ble­me reden und Fra­gen stel­len kön­nen und so dann alle ein biss­chen schlau­er durch die Welt lau­fen 😀 Und viel­leicht orga­ni­sie­re ich ja auch mal eine Living libra­ry in Ber­lin – wenn, dann seid ihr herz­lich ein­ge­la­den, als Leser und als Bücher!

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