Alle Artikel in: Ronja auf den Philippinen

Hüpfen und Hasen — Die ersten Ferienwochen

Wie schnell die Zeit vergeht…Im Moment wird mir das wirk­lich bewusst. In nicht weni­ger als drei Mona­ten wer­de ich die Phil­ip­pi­nen schon wie­der ver­las­sen und in mein “altes” Leben nach Deutsch­land zurück keh­ren, für das ich im Moment schon eini­ge Vor­keh­run­gen tref­fen muss. Doch wäh­rend ich mich schon an der Uni ein­schrei­be und mir für die ver­blei­ben­den zwei Mona­te in Hohen­lo­he einen Feri­en­job suche, betreue ich auch noch die phil­ip­pi­ni­schen Kin­der wäh­rend ihrer Feri­en. Eine Auf­ga­be, die unglaub­lich viel Spaß macht! Mei­ne letz­ten Som­mer­fe­ri­en sind zwar jetzt schon eini­ge Zeit her, durch mei­nen Auf­ent­halt auf den Phil­ip­pi­nen darf ich die­se Wochen, die häu­fig als unbe­schwert und sor­gen­los wahr­ge­nom­men wird, noch­mal erle­ben. Anstatt selbst Schü­ler zu sein für den die Som­mer­fe­ri­en ledig­lich einen als viel zu kurz emp­fun­de­nen Abschnitt zwi­schen den sich end­los anein­an­der zu rei­hen schei­nen­den Schul­jah­ren bezeich­net, bege­be ich mich in den kom­men­den zwei Mona­ten in gewis­ser Wei­se die Rol­le eines Ani­ma­teu­ers für eben jene frei­zeit­ver­wöhn­te Kin­der. Da die Auf­ga­ben in der Schu­le und bezüg­lich des Schul­pa­ten­schafts­pro­gramm über den Som­mer näm­lich weg­fal­len, stel­len wir wäh­rend …

On the road — Das Tricycle

Kannst du Motor­rad fah­ren?” Mei­ne ers­te Woche in Good She­pherd, mein ers­ter Gang aufs Immi­gra­ti­on Office, mein Bür­ge und Fra­gen­stel­ler ist der Pfar­rer, der mich beglei­ten soll. Ich schaue ihn an, als hät­te er mich gefragt, ob ich flie­gen kann. “Hm, naja, ich ähm, ich habe einen Auto-Füh­­rer­­schein”, erklä­re ich ihm zöger­lich. Mit der Aus­sa­ge, ich kön­ne Auto fah­ren, hät­te ich mich wohl etwas weit aus dem Fens­ter gelehnt. Jetzt schaut er mich an, als hät­te ich ihn gera­de über mei­ne Flug­fä­hig­kei­ten unter­rich­tet. Ich kann nicht genau sagen, was ihm suspek­ter ist. Der Füh­rer­schein, der auf den Phil­ip­pi­nen mehr ein Schat­ten­da­sein führt, oder das Auto, wel­ches hier ein Zei­chen gro­ßen Reich­tums dar­stellt und nur von äußerst weni­gen beses­sen wird. Er zuckt mit den Schul­tern, als kön­ne er sich selbst nicht so ganz ent­schei­den, wel­chen Teil mei­ner Ant­wort er selt­sa­mer fin­det und ver­kün­det:” Egal, wir neh­men das Tri­cy­cle.” Tri­cy­cle, das ist der phil­ip­pi­ni­sche Auto-Ersatz. Ein Motor­rad, an das, meist von den Män­nern der Fami­lie, ein Bei­wa­gen gezim­mert wird, so dass das Motor­rad letz­ten Endes neun Per­so­nen …

On the road — Das Boot

Ja, ihr seht rich­tig. Hier wer­den gut 50, in Zeh­ner­bün­deln an den Füßen zusam­men­ge­schnür­te, leben­de Hüh­ner trans­por­tiert. Wenn man die Phil­ip­pi­nen auf einer Kar­te begut­ach­tet dann wird schnell eines klar: Ein ein­heit­li­ches Land ist das nicht! Statt einer ein­zi­gen fes­ten Land­mas­se, setzt sich das Land aus schein­bar unend­lich vie­len Inseln jeder Grö­ße zusam­men, die sich zudem noch über eine rela­tiv gro­ße Flä­che ver­tei­len und in jede Him­mels­rich­tung zu erstre­cken schei­nen. Vie­le der über 7000 Inseln sind nicht ein­mal bewohnt, oder — ähn­lich wie “mei­ne” Insel Gui­ma­ras — auf vie­len Kar­ten gar nicht zu fin­den. Das sorgt dafür, dass eines der phil­ip­pi­ni­schen Haupt­ver­kehrs­mit­tel das Boot ist. Boot ist jedoch nicht gleich Boot, das lernt man hier schnell. Zwi­schen Gui­ma­ras und Iloi­lo, der nächst­grö­ße­ren Stadt auf der Nach­bar­in­sel Panay, ver­keh­ren die soge­nann­ten Bang­kas. Das sind Holz­bo­te mit Bam­bus­stüt­zen, die cir­ca 50 Pas­sa­gie­re für umge­rech­net 15 Cent inner­halb von 20 Minu­ten nach Iloi­lo und zurück beför­dern. Neben der mensch­li­chen Fracht wer­den damit auch Lebens­mit­tel, Unmen­gen von leben­den Tie­ren (Tier­schüt­zer wür­den Angst­zu­stän­de krie­gen) und natür­lich auch die unver­zicht­ba­ren Motor­rol­ler …

Das Gesundheitssystem auf den Philippinen

Weni­ges schockt mich so sehr, wie die extre­men Gegen­sät­ze zwi­schen Arm und Reich auf den Phil­ip­pi­nen und wie die­se bei­den Wel­ten in einer Art fried­li­cher Koexis­tenz neben­ein­an­der bestehen und ich mich auf eine komi­sche Art und Wei­se in bei­den bewe­ge. Vor gut einem hal­ben Jahr, also rela­tiv zu Beginn mei­nes Auf­ent­halts, war eines unse­rer Wai­sen­kin­der krank. Sie glüh­te so rich­tig vor Fie­ber, sah schlaff und abge­kämpft aus. Man ver­mu­te­te Den­gue-Fie­ber, eine nicht sel­ten töd­lich enden­de und lei­der sehr häu­fi­ge, von Mücken über­tra­ge­ne, Krank­heit. Sehr besorgt beglei­te­te ich die Sozi­al­ar­bei­te­rin und das Kind ins Kran­ken­haus, auf den Phil­ip­pi­nen ersetzt auf Grund des Ärz­te­man­gels die Not­auf­nah­me den Haus­arzt. Im Kran­ken­haus von Gui­ma­ras küm­mert sich ein ein­zi­ger Arzt um eine Unmen­ge von Pati­en­ten mit allen mög­li­chen Gebre­chen, die oft schon im Mor­gen­grau­en Schlan­ge ste­hen, um ihr Lei­den an die­sem Tag noch begut­ach­tet zu bekom­men. All­ge­mein war ich von den Zustän­den im Kran­ken­haus ein­fach nur scho­ckiert, ich hat­te zwar nicht viel erwar­tet, was ich aber tat­säch­lich vor­ge­fun­den habe, hat jedes Hor­ror­sze­na­rio unter­bo­ten. Unser Wai­sen­kind hat­te zum Glück kein Den­gue, …

Mein stolzester Moment

Möch­test du mei­ne Mama sein?” Über­rascht und zuge­ge­ben leicht geschockt schaue ich eines unse­rer jüngs­ten Wai­sen­kin­der an. Ihre Mut­ter hat sie und ihren Bru­der aus­ge­setzt, seit über einem Jahr leben die bei­den in Good She­pherd. Sie ist zwei­fel­los einer mei­ner Lieb­lin­ge — aber Mut­ter sein? Das will ich dann ehr­lich gesagt doch nicht. Zumal ich mir gar nicht vor­stel­len kann, wie das in der Pra­xis funk­tio­nie­ren soll. Genervt ver­dreht sie die Augen: “Nein, nicht so rich­tig. Du sollst mir an der Abschluss­fei­er die Schär­pe anpin­nen!”. Eine Mil­li­on Stei­ne fal­len mir vom Her­zen, das nach­fol­gen­de Gespräch wäre wohl sehr schwie­rig gewor­den. Statt­des­sen nimmt ein rie­si­ges Lächeln mein Gesicht ein. Natür­lich will ich! Das Voll­enden des Kin­der­gar­tens, sowie der Jahr­gangs­stu­fen 6, 10 und 12 wird auf den Phil­ip­pi­nen groß gefei­ert, Ein­marsch mit den Eltern und Anpin­nen von Schär­pen durch die­se inklu­si­ve. Dass sie mich aus­er­wählt hat, Teil die­ses doch sehr wich­ti­gen Lebens­ab­schnitts zu sein und mich damit auch als Bezugs­per­son ehrt, bedeu­tet mir unglaub­lich viel. An besag­tem Tag holt sie mich schon sehr früh per­sön­lich bei mei­nem …

Urlaub – es kommt immer anders, als man denkt

Schon in der ers­ten Woche unse­res Frei­wil­li­gen­jah­res haben Madi­ta und ich ent­schie­den, über Sil­ves­ter gemein­sam Urlaub zu machen. Fast genau­so schnell stand unser Ziel fest: Pala­wan. Von da an war die­se Insel Inbe­griff des ers­ten gro­ßen Mei­len­steins in die­sem Jahr, der lang­ersehn­te ers­te Urlaub und dann auch noch kurz vor der Halb­jah­res­mar­ke. Fünf Mona­te haben wir die Rei­se durch und durch dis­ku­tiert, Plä­ne geschmie­det und wie­der ver­wor­fen, Unter­künf­te und Trans­fers gebucht. Man soll­te also mei­nen, dass nichts mehr schief gehen kann. Lei­der ste­hen die vie­len Ps in den Namen Madi­ta und Ron­ja für Pla­nung, oder bes­ser gesagt, für erfolg­rei­che Pla­nung. Mitt­ler­wei­le haben wir fast alle Plä­ne, die wir hat­ten wie­der ver­wor­fen; das ohne­hin schon knapp bemes­se­ne Bud­get muss­te nach eini­gen unge­plan­ten Aus­ga­ben etwas gestrafft wer­den und Madi­tas Son­nen­brand macht sie lei­der etwas bewe­gungs­un­fä­hig. Urlaub rui­niert und Stim­mung schlecht? Auf kei­nen Fall! Kei­ner kann so laut über unse­re “Mise­re” lachen, wie wir selbst und wir haben trotz­dem eine sehr gute Zeit. Es kommt eben immer anders als man denkt.

Ein halbes Jahr später

Dass Zeit unter­schied­lich schnell ver­ge­hen kann, ist kein Geheim­nis. Wäh­rend sich War­te­zei­ten meist unend­lich lan­ge hin­zu­zie­hen schei­nen, ver­ge­hen ange­neh­me und schö­ne Momen­te oft viel zu schnell. Ob sich nun mein ers­tes hal­bes Jahr auf den Phil­ip­pi­nen nun Freu­­den­­tau­­mel-kurz oder Heim­­weh-lan­g­­sam ange­fühlt hat, kann ich nicht sagen. Es ist vie­les pas­siert: viel Über­ra­schen­des, viel Schö­nes, aber auch der obli­ga­to­ri­sche ein oder ande­re trau­ri­ge und hilf­lo­se Moment, denn auch am schöns­ten Ort der Welt wird man nie aus­schließ­lich gute Zei­ten haben. Wenn ich eines sicher über die letz­ten sechs Mona­te sagen kann, dann, dass ich mich defi­ni­tiv sehr ver­än­dert habe. Zum einen natür­lich, weil ich noch nie so lan­ge von zu Hau­se ent­fernt war und auch, weil ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben allei­ne, oder zumin­dest ohne mei­ne Eltern, woh­ne, was natür­lich vie­le Frei­hei­ten, aber auch eini­ge Her­aus­for­de­run­gen mit sich bringt. In die­ser Hin­sicht habe ich sicher­lich eini­ges an Rei­fe und Dis­zi­plin zu mei­ner sonst etwas nai­ven und eher wenig erwach­se­nen Per­sön­lich­keit gewon­nen, was aber ver­mut­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist, die mit dem Ablö­sungs­pro­zess von den Eltern …

Projekt Gemüsegarten

Zur Pflicht­auf­ga­be eines jeden welt­­wärts-Frei­wil­­li­gen gehört es, ein eige­nes (mög­lichst nach­hal­ti­ges) Pro­jekt zu orga­ni­sie­ren und durch­zu­füh­ren – am bes­ten noch in Koope­ra­ti­on mit den Men­schen vor Ort. Caro und ich haben es uns zum Ziel genom­men, den alten, lei­der in Ver­wahr­lo­sung gera­te­nen Gemü­se­gar­ten von Good She­pherd wie­der­zu­be­le­ben, zusam­men mit den Eltern der Kin­der, die eine Schul­pa­ten­schaft erhal­ten und die letzt­end­lich zusam­men mit ihren Fami­li­en zu den Pro­fi­tie­ren­den des Pro­jekts gehö­ren sol­len. Auf dem zur müll­frei­en Zone erklär­ten Are­al sol­len schon bald haupt­säch­lich Malun­­gay-Blät­­ter – eine belieb­te Zutat in Sup­pen und Fisch­spei­sen – Zitro­nen­gras und grü­ne Papa­yas sprie­ßen; aber auch Bana­­nen-, Pla­­ti­­nen- und Kokos­pal­men sind dort von Natur aus schon zu fin­den Bevor die Eltern des soge­nann­ten Out­­re­ach-Pro­­gramms mit uns zusam­men aber das Pflan­zen star­ten konn­ten, war erst ein­mal eine groß­flä­chi­ge Säu­be­rung und Aus­gra­sung des Gelän­des nötig. Auch das Pro­blem der Was­ser­ver­sor­gung in der Tro­cken­zeit, an dem der Gar­ten in der Ver­gan­gen­heit geschei­tert ist, muss­te gelöst wer­den. Dazu haben wir alle Eltern, die zu unse­rer Über­ra­schung trotz Regen am Vor­mit­tag (der die Fili­pi­nos nor­ma­ler­wei­se dazu ver­an­lasst, …