Alle Artikel in: Ronja auf den Philippinen

Urlaub – es kommt immer anders, als man denkt

Schon in der ers­ten Woche unse­res Frei­wil­li­gen­jah­res haben Madi­ta und ich ent­schie­den, über Sil­ves­ter gemein­sam Urlaub zu machen. Fast genau­so schnell stand unser Ziel fest: Pala­wan. Von da an war die­se Insel Inbe­griff des ers­ten gro­ßen Mei­len­steins in die­sem Jahr, der lang­ersehn­te ers­te Urlaub und dann auch noch kurz vor der Halb­jah­res­mar­ke. Fünf Mona­te haben wir die Rei­se durch und durch dis­ku­tiert, Plä­ne geschmie­det und wie­der ver­wor­fen, Unter­künf­te und Trans­fers gebucht. Man soll­te also mei­nen, dass nichts mehr schief gehen kann. Lei­der ste­hen die vie­len Ps in den Namen Madi­ta und Ron­ja für Pla­nung, oder bes­ser gesagt, für erfolg­rei­che Pla­nung. Mitt­ler­wei­le haben wir fast alle Plä­ne, die wir hat­ten wie­der ver­wor­fen; das ohne­hin schon knapp bemes­se­ne Bud­get muss­te nach eini­gen unge­plan­ten Aus­ga­ben etwas gestrafft wer­den und Madi­tas Son­nen­brand macht sie lei­der etwas bewe­gungs­un­fä­hig. Urlaub rui­niert und Stim­mung schlecht? Auf kei­nen Fall! Kei­ner kann so laut über unse­re “Mise­re” lachen, wie wir selbst und wir haben trotz­dem eine sehr gute Zeit. Es kommt eben immer anders als man denkt.

Ein halbes Jahr später

Dass Zeit unter­schied­lich schnell ver­ge­hen kann, ist kein Geheim­nis. Wäh­rend sich War­te­zei­ten meist unend­lich lan­ge hin­zu­zie­hen schei­nen, ver­ge­hen ange­neh­me und schö­ne Momen­te oft viel zu schnell. Ob sich nun mein ers­tes hal­bes Jahr auf den Phil­ip­pi­nen nun Freu­­den­­tau­­mel-kurz oder Heim­­weh-lan­g­­sam ange­fühlt hat, kann ich nicht sagen. Es ist vie­les pas­siert: viel Über­ra­schen­des, viel Schö­nes, aber auch der obli­ga­to­ri­sche ein oder ande­re trau­ri­ge und hilf­lo­se Moment, denn auch am schöns­ten Ort der Welt wird man nie aus­schließ­lich gute Zei­ten haben. Wenn ich eines sicher über die letz­ten sechs Mona­te sagen kann, dann, dass ich mich defi­ni­tiv sehr ver­än­dert habe. Zum einen natür­lich, weil ich noch nie so lan­ge von zu Hau­se ent­fernt war und auch, weil ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben allei­ne, oder zumin­dest ohne mei­ne Eltern, woh­ne, was natür­lich vie­le Frei­hei­ten, aber auch eini­ge Her­aus­for­de­run­gen mit sich bringt. In die­ser Hin­sicht habe ich sicher­lich eini­ges an Rei­fe und Dis­zi­plin zu mei­ner sonst etwas nai­ven und eher wenig erwach­se­nen Per­sön­lich­keit gewon­nen, was aber ver­mut­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist, die mit dem Ablö­sungs­pro­zess von den Eltern …

Projekt Gemüsegarten

Zur Pflicht­auf­ga­be eines jeden welt­­wärts-Frei­wil­­li­gen gehört es, ein eige­nes (mög­lichst nach­hal­ti­ges) Pro­jekt zu orga­ni­sie­ren und durch­zu­füh­ren – am bes­ten noch in Koope­ra­ti­on mit den Men­schen vor Ort. Caro und ich haben es uns zum Ziel genom­men, den alten, lei­der in Ver­wahr­lo­sung gera­te­nen Gemü­se­gar­ten von Good She­pherd wie­der­zu­be­le­ben, zusam­men mit den Eltern der Kin­der, die eine Schul­pa­ten­schaft erhal­ten und die letzt­end­lich zusam­men mit ihren Fami­li­en zu den Pro­fi­tie­ren­den des Pro­jekts gehö­ren sol­len. Auf dem zur müll­frei­en Zone erklär­ten Are­al sol­len schon bald haupt­säch­lich Malun­­gay-Blät­­ter – eine belieb­te Zutat in Sup­pen und Fisch­spei­sen – Zitro­nen­gras und grü­ne Papa­yas sprie­ßen; aber auch Bana­­nen-, Pla­­ti­­nen- und Kokos­pal­men sind dort von Natur aus schon zu fin­den Bevor die Eltern des soge­nann­ten Out­­re­ach-Pro­­gramms mit uns zusam­men aber das Pflan­zen star­ten konn­ten, war erst ein­mal eine groß­flä­chi­ge Säu­be­rung und Aus­gra­sung des Gelän­des nötig. Auch das Pro­blem der Was­ser­ver­sor­gung in der Tro­cken­zeit, an dem der Gar­ten in der Ver­gan­gen­heit geschei­tert ist, muss­te gelöst wer­den. Dazu haben wir alle Eltern, die zu unse­rer Über­ra­schung trotz Regen am Vor­mit­tag (der die Fili­pi­nos nor­ma­ler­wei­se dazu ver­an­lasst, …

Der Alltag der Waisenkinder

Schon früh am Mor­gen klopft es auf­ge­regt und ener­gisch an unse­rer Zim­mer­tür. Noch halb ver­schla­fen öff­ne ich und tref­fe unser jüngs­tes Wai­sen­mäd­chen: Es mag vor der Schu­le noch einen kur­zen Plausch mit uns hal­ten oder uns einen schö­nen Tag wün­schen. Sie ist eine von ins­ge­samt drei­zehn Wai­sen, die in Good She­pherd betreut wer­den. Dar­un­ter befin­den sich sechs Mäd­chen und sie­ben Jun­gen, die in zwei Häu­sern gemein­sam mit einer Haus­mut­ter leben. Der Tag unse­rer Schütz­lin­ge ist streng durch­ge­tak­tet: Ihre Pflich­ten begin­nen bei Son­nen­auf­gang mit dem Keh­ren und Sau­ber­hal­ten ihrer jewei­li­gen Unter­künf­te, gefolgt von einem Gebets­kreis, dem Früh­stück und dem anschlie­ßend Schul­be­such. Alle ihre Mahl­zei­ten wer­den von ihnen eigen­stän­dig zube­rei­tet. Auch sons­ti­ge Haus­halts­auf­ga­ben wie Spü­len, Wäsche waschen oder ähn­li­ches wer­den nach einem Ras­ter­sys­tem fair auf jedes ein­zel­ne Kind zwi­schen sechs und neun­zehn Jah­ren ver­teilt. All­abend­lich kommt dazu noch der Instru­­men­­ten-Unter­­richt in Gei­ge, Kla­vier oder Gitar­re, der den Kin­dern eine nütz­li­che Fähig­keit für ihr spä­te­res Leben mit auf den Weg geben soll. Im Gegen­zug für ihre gan­zen Mühen erhal­ten die Kin­der drei Mahl­zei­ten, einen siche­ren Platz zum Schla­fen …

Sportsfest 2018

Knapp 60 auf­ge­regt mit­ein­an­der reden­de jun­ge Men­schen in schwar­zen, gel­ben und blau­en T-Shirts tum­meln sich auf dem klei­nen Vor­platz der Kapel­le von Good Shepherd’s Fold. Obwohl die sonn­täg­li­chen Got­tes­diens­te auf­grund des stark ver­brei­te­ten christ­li­chen Glau­bens auch von der Jugend sehr gut besucht sind, habe ich hier noch nie so vie­le jun­ge Erwach­se­ne auf ein­mal gese­hen. Viel zu groß sind die Ver­lo­ckun­gen außer­halb der Kir­che; vor allem für die jun­gen Män­ner in der Gegend um Buen­avis­ta sind vie­le Din­ge reiz­vol­ler als die sonn­täg­li­che Pre­digt. Um die jun­gen Men­schen also von der Stra­ße mit all ihren Ablen­kun­gen zurück in die Kir­che oder zumin­dest in ein gere­gel­te­res Leben zu holen, wird jedes Jahr in den Mona­ten vor Weih­nach­ten das soge­nann­te Sports­fest ver­an­stal­tet, bei dem sich ehe­ma­li­ge Wai­sen, jun­ge Män­ner und Frau­en, die in der Kir­che aktiv sind oder aus der Umge­bung stam­men und eben auch wir Frei­wil­li­gen, in Dis­zi­pli­nen wie Bas­ket­ball, Schach, Bad­min­ton, Vol­ley­ball und Tisch­ten­nis mes­sen. Eine gro­ße Abschluss­weih­nachts­fei­er mit Preis­ver­lei­hung ist dabei natür­lich inklu­si­ve, immer mit der Moti­va­ti­on, all­jähr­lich wie­der Kli­en­tel anzu­lo­cken, das sonst schon lan­ge …

Fast wie in Boracay!

Über saf­tig grü­ne Hügel, durch stei­ni­ge Schluch­ten und über lang­sam vor sich hin flie­ßen­de Flüs­se, in denen die Frau­en der umlie­gen­den Dör­fer ihre Wäsche waschen, schlän­gelt sich der Bus, den mei­ne Mit­be­woh­ne­rin Caro und ich am Mor­gen in Iloi­lo bestie­gen haben, gemäch­lich sei­nen Weg. Wie gebannt star­ren wir bei­de aus dem Fens­ter und sau­gen jeden Zen­ti­me­ter, den wir auf der sechs­stün­di­gen Fahrt ein­mal quer über unse­re Nach­bar­in­sel Panay sehen, in uns auf. Unser gro­ßes Ziel: Die berühmt berüch­tig­te “Par­ty­in­sel” Bora­cay, die erst die­ses Wochen­en­de nach län­ge­rer Schlie­ßung auf Grund öko­lo­gi­scher Pro­ble­me wie­der­eröff­net hat. Jedes ein­zel­ne Mal wenn ich bis­her am Strand war, hat man mir Sand “Fast wie in Bora­cay!” ver­spro­chen und nun bie­tet sich end­lich die Gele­gen­heit, mir über die Fei­er­ta­ge hin­weg ein eige­nes Bild von dem angeb­lich feins­ten Sand­strand der Welt zu machen, und natür­lich auch davon, ob die von Prä­si­dent Rodri­go Duter­te ein­ge­lei­te­te Säu­be­rungs­ak­ti­on gegrif­fen hat. In Cati­c­lan, dem Ört­chen, von wo aus die Fäh­re nach Bora­cay ablegt, soll­ten Caro und ich aller­dings Opfer unse­rer eige­nen Spon­ta­ni­tät wer­den. Um den sanf­ten Tou­ris­mus, …

Seife und Kugelschreiber

Ein Luxus­gut. Was ist das schon? Das neue Auto mit Son­der­zu­be­hör, auf das man so lan­ge gespart hat? Die sünd­haft teu­re Hand­ta­sche, die man sich eigent­lich gar nicht leis­ten kann, aber trotz­dem haben muss? Die limi­tier­te Auf­la­ge eines Buches, die nicht lan­ge auf dem Markt sein wird und die man sich somit schnap­pen soll­te, solan­ge es noch geht?

It’s GPRISA time!

Sport ver­bin­det — und das welt­weit. Obwohl mei­ne eige­ne sport­li­che Kar­rie­re, sowohl schu­lisch, als auch im Ver­ein, nicht gera­de von Erfolg gekrönt war, habe ich mich doch seit mei­ner Ankunft bei Good She­pherd auf ein Event gefreut: Das all­jähr­li­che GPRI­SA-Tref­fen, bei dem sich die Schu­len von Gui­ma­ras über vier Tage hin­weg in den unter­schied­lichs­ten sport­li­chen Wett­kämp­fen mes­sen und so enger zusam­men wach­sen.