Alle Artikel in: Ronja auf den Philippinen

Kambodscha – Von Angkor Wat zur Roten Khmer

Früh mor­gens wabert noch der Nebel über die fast men­schen­lee­ren Stra­ßen Siem Reaps. Ohne gro­ße Mühe tre­te ich in die Peda­le des Fahr­rads, das ich mir gemie­tet habe. Die unglaub­li­che Hit­ze, die sich die letz­ten Tage in dem Land, das auch als König­reich des Stau­nens bezeich­net wird, bemerk­bar gemacht hat, hat noch nicht zuge­schla­gen. Der Fahrt­wind weht mir ange­nehm ins leicht gerö­te­te Gesicht, um mich her­um öff­nen die ers­ten Stra­ßen­stän­de an denen man Obst, Gemü­se oder die tra­di­tio­nel­le Fisch­sup­pe „Amok“ zum Früh­stück erste­hen kann, hin und wie­der bahnt sich ein lee­res Tuk­Tuk sei­nen Weg durch die von der Nacht noch müden Gas­sen. So ruhig wie gera­de eben habe ich Kam­bo­dscha noch nicht erlebt. Fast schon fried­lich muten die sonst so über­füll­ten und lau­ten Stra­ßen an, doch in mir krib­belt die Auf­re­gung. Ich bin am Ziel mei­ner Rei­se. Schon in eini­gen Tagen wer­de ich zurück nach Iloi­lo flie­gen und von dort aus nur kur­ze Zeit spä­ter nach einem kom­plet­ten Jahr vol­ler unver­gess­li­cher Erleb­nis­se die Heim­rei­se nach Deutsch­land antre­ten. Doch gera­de eben zählt nur Eines. Einer der …

Welcome to Cambodia: Phnom Penh

Mein Jahr auf den Phil­ip­pi­nen ist zu Ende, mitt­ler­wei­le kann ich das wirk­lich sagen, ledig­lich zwei Wochen sind noch vom bis­lang größ­ten Aben­teu­er mei­nes Lebens übrig. Und damit sich die letz­ten Tage wirk­lich noch ein­mal nach Aben­teu­er und nicht nur wie „War­ten auf den Heim­flug“ anfüh­len, habe ich mich auf­ge­macht in ein Land, das mich schon lan­ge fas­zi­niert: Kam­bo­dscha. Schon vor Jah­ren hat mei­ne Schwes­ter, die desi­gnier­te Rei­se­ex­per­tin unse­rer Fami­lie, bei der Wunschrei­se­ak­ti­on der VR-Bank mei­nen Namen für die­ses Land in den Topf gewor­fen und auch wenn es damals nichts gewor­den ist, hat mei­ne Fas­zi­na­ti­on für das süd­ost­asia­ti­sche König­reich nicht abge­nom­men.  Das Land ist für einen Geschichts­freak wie mich wirk­lich ein Traum­rei­se­ziel, die Spu­ren der Zeit von den impo­san­ten Tem­peln aus alter Ver­gan­gen­heit, über Zeug­nis­se der fran­zö­si­schen Kolo­ni­al­herr­schaft, wei­ter zu den schreck­haf­ten Stät­ten, die das Khmer Rouge Regime in der letz­ten Hälf­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert hin­ter­las­sen haben, bis hin zu moder­nen Wol­ken­krat­zern, die von der auf­stre­ben­den Posi­ti­on Kam­bo­dschas zeu­gen, über­sä­en das gan­ze Land und nir­gend­wo sonst zeigt sich das mehr als in Phnom Penh, der …

Reuse, Reduce, Recycle

Die Chips­tü­te, die Keks­ver­pa­ckung, die Limo­na­den­fla­sche. Wie auch die übri­gen Kin­der auf allen ande­ren Erd­tei­len, lie­ben die jun­gen Men­schen auf den Phil­ip­pi­nen süße und sal­zi­ge Snacks in jeder Form. Der gro­ße Unter­schied aller­dings liegt in der Ent­sor­gung der meist in bunt glän­zen­des Plas­tik ver­pack­ten Lecke­rei­en. Wäh­rend man in Deutsch­land schon von klein auf ein­ge­impft bekommt, in wel­che Ton­ne Rest­müll, Papier und recy­c­le­ba­rer Abfall ent­sorgt wer­den muss und sich an jeder Ecke ent­spre­chend sepa­rier­te Behält­nis­se fin­den, ist Müll­tren­nung, ganz zu schwei­gen von einer ins­ge­sam­ten Reduk­ti­on von Abfall oder gar Plas­tik, auf den Phil­ip­pi­nen noch ein Fremd­wort. Über alle Schich­ten der Bevöl­ke­rung und alle Alters­klas­sen hin­weg wird das Ent­sor­gen von Ver­pa­ckun­gen wo man geht und steht, sei das im Stra­ßen­gra­ben oder auf der Wie­se, tole­riert und prak­ti­ziert. Auch die all­wö­chent­li­che Ver­bren­nung des Müll-Mixes durch die Siebt­kläss­ler wird als nichts Unge­wöhn­li­ches ange­se­hen. Da die Phil­ip­pi­nen aller­dings, zusam­men mit vie­len wei­te­ren Ent­wick­lungs­län­dern, zu den größ­ten Betrof­fe­nen des Kli­ma­wan­dels und des welt­wei­ten Müll­pro­blems, vor allem in den Mee­ren, zäh­len, ist ein Umden­ken, was den Umgang mit Abfall angeht, hier, wie …

Neun Monate später

Wie­der ein Vier­tel­jahr vor­bei, wie­der Zeit für einen Drei-Monats-Bericht und ich muss sagen, die ers­ten Bei­den sind mir deut­lich leich­ter gefal­len. Nach dem ers­ten Quar­tal war alles noch neu und auf­re­gend, nach dem Zwei­ten mani­fes­tier­te die Halb­zeit­mar­ke, dass die Uhr für die Rück­kehr von nun an abwärts zähl­te und es war Zeit ein ers­tes, vor­sich­ti­ges Resü­mee zu zie­hen; und nach dem Drit­ten? Der Punkt an dem ich jetzt ste­he, bedeu­tet für mich nicht mehr die gro­ße Auf­re­gung, die die letz­ten bei­den noch dar­stell­ten, er ist für mich kein Mei­len­stein mehr, son­dern eher so „halb­warm“. Ich bin noch nicht zu Hau­se, aber ich bin auch nicht mehr lan­ge hier. Wäh­rend ich noch die mitt­ler­wei­le statt­fin­den­den Feri­en­pro­gram­me für die Kin­der geplant habe, muss­te ich mich end­gül­tig ent­schei­den, was ich stu­die­ren möch­te (bis­lang irgend­wie trotz­dem nicht gesche­hen), in wel­che Stadt ich zie­hen möch­te, wo ich im Som­mer arbei­ten möch­te und all die­se Sachen aus der Fer­ne orga­ni­sie­ren. In Deutsch­land ist der Win­ter zum Früh­ling gewor­den, ich bekam ‑mein gro­ßes Hig­h­­light- Besuch, auf den Phil­ip­pi­nen wich die Regen­zeit der …

Ein Einschnitt für Good Shepherd

Ein gan­zes Jahr im Aus­land zu leben, bedeu­tet eine Viel­zahl von Momen­ten zu erle­ben, die aus den ver­schie­dens­ten Emo­tio­nen gespeist sind. Ich habe mich in den ver­gan­ge­nen neun Mona­ten mit den Men­schen in Good She­pherd gefreut, mit ihnen gelacht, gear­bei­tet und gefei­ert und jetzt auch mit ihnen getrau­ert. An einem Mon­tag Ende April, in den frü­hen Mor­gen­stun­den, ist ein Urge­stein unse­rer Orga­ni­sa­ti­on, Maam Thel­ma Pagsub­e­ron, nach lan­gem Lei­den im Alter von 83 Jah­ren ver­stor­ben. Sie gehör­te zu den ers­ten Wai­sen­kin­dern von Good She­pherd, stieg spä­ter nach eini­gen Auf­ent­hal­ten außer­halb von Gui­ma­ras zur Direk­to­rin der Schu­le auf und war bis zu ihrem Lebens­en­de Geschäfts­füh­re­rin der Ein­rich­tung, die ihr so vie­les in ihrem Leben ermög­licht hat. Die ihr ein Zuhau­se, Bil­dung und Freund­schaf­ten geschenkt hat und in der ihr gan­zes Herz­blut steck­te. Maam Thel­ma war die ers­te Per­son, die mir bei mei­ner Ankunft vor­ge­stellt wur­de und noch bevor ich den Mund auf­ma­chen konn­te, sag­te sie nur “I can see, you are a very smart girl.” Für Wai­sen und Schü­ler war sie über Genera­tio­nen hin­weg eine wich­ti­ge Bezugs­per­son, …

Hüpfen und Hasen — Die ersten Ferienwochen

Wie schnell die Zeit vergeht…Im Moment wird mir das wirk­lich bewusst. In nicht weni­ger als drei Mona­ten wer­de ich die Phil­ip­pi­nen schon wie­der ver­las­sen und in mein “altes” Leben nach Deutsch­land zurück keh­ren, für das ich im Moment schon eini­ge Vor­keh­run­gen tref­fen muss. Doch wäh­rend ich mich schon an der Uni ein­schrei­be und mir für die ver­blei­ben­den zwei Mona­te in Hohen­lo­he einen Feri­en­job suche, betreue ich auch noch die phil­ip­pi­ni­schen Kin­der wäh­rend ihrer Feri­en. Eine Auf­ga­be, die unglaub­lich viel Spaß macht! Mei­ne letz­ten Som­mer­fe­ri­en sind zwar jetzt schon eini­ge Zeit her, durch mei­nen Auf­ent­halt auf den Phil­ip­pi­nen darf ich die­se Wochen, die häu­fig als unbe­schwert und sor­gen­los wahr­ge­nom­men wird, noch­mal erle­ben. Anstatt selbst Schü­ler zu sein für den die Som­mer­fe­ri­en ledig­lich einen als viel zu kurz emp­fun­de­nen Abschnitt zwi­schen den sich end­los anein­an­der zu rei­hen schei­nen­den Schul­jah­ren bezeich­net, bege­be ich mich in den kom­men­den zwei Mona­ten in gewis­ser Wei­se die Rol­le eines Ani­ma­teu­ers für eben jene frei­zeit­ver­wöhn­te Kin­der. Da die Auf­ga­ben in der Schu­le und bezüg­lich des Schul­pa­ten­schafts­pro­gramm über den Som­mer näm­lich weg­fal­len, stel­len wir wäh­rend …

On the road — Das Tricycle

Kannst du Motor­rad fah­ren?” Mei­ne ers­te Woche in Good She­pherd, mein ers­ter Gang aufs Immi­gra­ti­on Office, mein Bür­ge und Fra­gen­stel­ler ist der Pfar­rer, der mich beglei­ten soll. Ich schaue ihn an, als hät­te er mich gefragt, ob ich flie­gen kann. “Hm, naja, ich ähm, ich habe einen Auto-Füh­­rer­­schein”, erklä­re ich ihm zöger­lich. Mit der Aus­sa­ge, ich kön­ne Auto fah­ren, hät­te ich mich wohl etwas weit aus dem Fens­ter gelehnt. Jetzt schaut er mich an, als hät­te ich ihn gera­de über mei­ne Flug­fä­hig­kei­ten unter­rich­tet. Ich kann nicht genau sagen, was ihm suspek­ter ist. Der Füh­rer­schein, der auf den Phil­ip­pi­nen mehr ein Schat­ten­da­sein führt, oder das Auto, wel­ches hier ein Zei­chen gro­ßen Reich­tums dar­stellt und nur von äußerst weni­gen beses­sen wird. Er zuckt mit den Schul­tern, als kön­ne er sich selbst nicht so ganz ent­schei­den, wel­chen Teil mei­ner Ant­wort er selt­sa­mer fin­det und ver­kün­det:” Egal, wir neh­men das Tri­cy­cle.” Tri­cy­cle, das ist der phil­ip­pi­ni­sche Auto-Ersatz. Ein Motor­rad, an das, meist von den Män­nern der Fami­lie, ein Bei­wa­gen gezim­mert wird, so dass das Motor­rad letz­ten Endes neun Per­so­nen …

On the road — Das Boot

Ja, ihr seht rich­tig. Hier wer­den gut 50, in Zeh­ner­bün­deln an den Füßen zusam­men­ge­schnür­te, leben­de Hüh­ner trans­por­tiert. Wenn man die Phil­ip­pi­nen auf einer Kar­te begut­ach­tet dann wird schnell eines klar: Ein ein­heit­li­ches Land ist das nicht! Statt einer ein­zi­gen fes­ten Land­mas­se, setzt sich das Land aus schein­bar unend­lich vie­len Inseln jeder Grö­ße zusam­men, die sich zudem noch über eine rela­tiv gro­ße Flä­che ver­tei­len und in jede Him­mels­rich­tung zu erstre­cken schei­nen. Vie­le der über 7000 Inseln sind nicht ein­mal bewohnt, oder — ähn­lich wie “mei­ne” Insel Gui­ma­ras — auf vie­len Kar­ten gar nicht zu fin­den. Das sorgt dafür, dass eines der phil­ip­pi­ni­schen Haupt­ver­kehrs­mit­tel das Boot ist. Boot ist jedoch nicht gleich Boot, das lernt man hier schnell. Zwi­schen Gui­ma­ras und Iloi­lo, der nächst­grö­ße­ren Stadt auf der Nach­bar­in­sel Panay, ver­keh­ren die soge­nann­ten Bang­kas. Das sind Holz­bo­te mit Bam­bus­stüt­zen, die cir­ca 50 Pas­sa­gie­re für umge­rech­net 15 Cent inner­halb von 20 Minu­ten nach Iloi­lo und zurück beför­dern. Neben der mensch­li­chen Fracht wer­den damit auch Lebens­mit­tel, Unmen­gen von leben­den Tie­ren (Tier­schüt­zer wür­den Angst­zu­stän­de krie­gen) und natür­lich auch die unver­zicht­ba­ren Motor­rol­ler …

Das Gesundheitssystem auf den Philippinen

Weni­ges schockt mich so sehr, wie die extre­men Gegen­sät­ze zwi­schen Arm und Reich auf den Phil­ip­pi­nen und wie die­se bei­den Wel­ten in einer Art fried­li­cher Koexis­tenz neben­ein­an­der bestehen und ich mich auf eine komi­sche Art und Wei­se in bei­den bewe­ge. Vor gut einem hal­ben Jahr, also rela­tiv zu Beginn mei­nes Auf­ent­halts, war eines unse­rer Wai­sen­kin­der krank. Sie glüh­te so rich­tig vor Fie­ber, sah schlaff und abge­kämpft aus. Man ver­mu­te­te Den­gue-Fie­ber, eine nicht sel­ten töd­lich enden­de und lei­der sehr häu­fi­ge, von Mücken über­tra­ge­ne, Krank­heit. Sehr besorgt beglei­te­te ich die Sozi­al­ar­bei­te­rin und das Kind ins Kran­ken­haus, auf den Phil­ip­pi­nen ersetzt auf Grund des Ärz­te­man­gels die Not­auf­nah­me den Haus­arzt. Im Kran­ken­haus von Gui­ma­ras küm­mert sich ein ein­zi­ger Arzt um eine Unmen­ge von Pati­en­ten mit allen mög­li­chen Gebre­chen, die oft schon im Mor­gen­grau­en Schlan­ge ste­hen, um ihr Lei­den an die­sem Tag noch begut­ach­tet zu bekom­men. All­ge­mein war ich von den Zustän­den im Kran­ken­haus ein­fach nur scho­ckiert, ich hat­te zwar nicht viel erwar­tet, was ich aber tat­säch­lich vor­ge­fun­den habe, hat jedes Hor­ror­sze­na­rio unter­bo­ten. Unser Wai­sen­kind hat­te zum Glück kein Den­gue, …