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Entspannt ins Auslandsjahr starten!

Von Milena R.

Aus­lands­jah­re und Aus­tau­sche sind extrem cool, ich glau­be, da wirst du mir  zustim­men. Man lernt neue Leu­te und Kul­tu­ren ken­nen, even­tu­ell sogar noch eine neue Spra­che und du wirst viel, viel selbst­stän­di­ger. Das Vor­be­rei­ten dar­auf, kann aber echt stres­sig wer­den. Um dies zu ver­mei­den, oder wenigs­tens weni­ger stres­sig zu machen, habe ich hier ein paar Tipps für dich. 

Wei­ter­le­sen

Weg während Corona?

Coro­na hat vie­len die­ses Jahr einen Strich durch die Rech­nung gemacht. Ob Schü­ler-Aus­tausch, Eras­mus-Stu­di­um oder Aus­lands­jahr – das meis­te muss­te wegen der Pan­de­mie ver­scho­ben oder abge­sagt wer­den. Wie es trotz Coro­na mit dei­nen Träu­men von der gro­ßen wei­ten Welt, Aus­lands­rei­sen und auf unse­rem Blog wei­ter geht, erfährst du in die­sem Beitrag.

Auslandsstudium im Lockdown

Frisch ins Eras­mus-Semes­ter in Ita­li­en gestar­tet und dann Coro­na. So ging es Jan-Lukas, der zu Beginn der Pan­de­mie beim Stu­di­um in Rom von einem Tag auf den ande­ren in den Lock­down muss­te. Trotz­dem hat er sich dazu ent­schie­den zu blei­ben: „Ich woll­te ein hal­bes Jahr ins Aus­land. Die Umstän­de sind jetzt zwar anders, aber das sind sie über­all”, hat er damals erzählt.

Trotz­dem konn­te er Erfah­run­gen sam­meln, die ita­lie­ni­sche Kul­tur ken­nen ler­nen und – nach dem Lock­down – mit dem nöti­gen Abstand die römi­schen Sehens­wür­dig­kei­ten bewun­dern. Jan-Lukas hat aus die­ser Zeit beson­ders eins mit­ge­nom­men: „Man konn­te jetzt sehen, dass wir uns auch auf das Mini­ma­le begren­zen kön­nen. Dass man trotz­dem ein schö­nes Leben haben kann, auch wenn man sich ein­schrän­ken muss”.

Dass es trotz Coro­na mög­lich ist, ins Aus­land zu gehen, zeigt die Geschich­te von Jan-Lukas. Aller­dings musst du dich dar­auf ein­stel­len, dass alles ganz anders sein wird: Neue Leu­te, die Kul­tur und das Land ken­nen zu ler­nen, sind eben mit Abstand­hal­ten gar nicht so leicht und auch nicht für jeden das Rich­ti­ge. Vie­le Aus­tausch-Pro­gram­me sind sogar ganz aus­ge­fal­len und so rückt ein Aus­lands­aben­teu­er in uner­reich­ba­re Ferne.

Die neue Blogger-Generation ist da

Trotz­dem wol­len wir dich auch wei­ter­hin mit Geschich­ten rund um einen Auf­ent­halt im Aus­land ver­sor­gen. Beim jähr­li­chen Blog­ging-Work­shop haben wir nach span­nen­den The­men für die kom­men­den Mona­te gesucht. Unse­re neu­en Blog­ge­rin­nen wer­den dabei aber erst­mal aus good old Ger­ma­ny berichten.

Dich erwar­ten Erfah­rungs­be­rich­te ver­gan­ge­ner Aus­lands­auf­ent­hal­te, Tipps und Tricks für dei­ne bevor­ste­hen­de Rei­se oder Ein­bli­cke in die Pla­nung. Die­se indi­vi­du­el­len Erfah­run­gen schil­dert eine immer ande­re Autorin in der neu­en Kate­go­rie „Mein ers­ter Blog-Beitrag“.

Viel Spaß!

Bild von Unsplash.com

Horsens erwacht aus dem Winterschlaf

Mit sei­nen 55.000 Ein­woh­nern ist Hor­sens defi­ni­tiv nicht als Tou­ris­ten-Hot­spot bekannt und es kann zu Zei­ten rela­tiv lang­wei­lig wer­den. Das hat man beson­ders in den Win­ter­mo­na­ten gemerkt, wo die Ange­bo­te der Stadt, wie z.B. Kon­zer­te, klei­ne Fes­ti­vals oder Par­tys fast gar nicht mehr statt­fan­den. Mit den ers­ten Son­nen­ta­gen im Früh­ling fing das Leben dann aber wie­der rich­tig an und es gab jedes Wochen­en­de etwas Neu­es zu unter­neh­men. Eine Ver­an­stal­tung, die jeden Früh­ling ein wenig her­aus­ge­sto­chen hat, war der Besuch eines Wan­der­zir­kus direkt auf der Wie­se am Fjord.

Da wo wir uns nor­ma­ler­wei­se zum Gril­len, Fuß­ball spie­len oder schwim­men gehen tref­fen, stand plötz­lich eine Zir­kus-Kara­van mit allen mög­li­chen Tie­ren die nur mit dün­ner Abzäu­nung auf „unse­rer“ Wie­se her­um­lie­fen. Das sorg­te in einer Klein­stadt wie Hor­sens für gro­ße Auf­re­gung und wir haben die nächs­ten drei Tage damit ver­bracht, uns mit den Ele­fan­ten anzufreunden. 

Im Lau­fe des Früh­lings wur­den auch wie­der Ver­an­stal­tun­gen drau­ßen für die Stu­den­ten orga­ni­siert, um das gute Wet­ter zu genie­ßen. Neben den typi­schen Bier-Pong-Tur­nie­ren und Mot­to-Par­tys, gab es noch den soge­nann­ten Bier­ma­ra­thon – eine Tradition.

Mein erster Biermarathon

Beim Bier­ma­ra­thon muss­te man sich mit einem ande­ren Stu­den­ten zusam­men­tun und im Lau­fe der Ver­an­stal­tung einen vol­len Bier­kas­ten von der Uni, über Umwe­ge, zur Stu­den­ten­bar tra­gen. Auf der ca. 10km lan­gen Stre­cke wur­den ver­schie­de­ne Sta­tio­nen auf­ge­baut, bei denen man Mini­spie­le gegen die ande­ren Teams gewin­nen muss­te. Das Ziel war es, sei­nen Kas­ten vor Ankunft an der Ziel­li­nie leer zu haben. Da das noch nicht spa­ßig genug war, haben sich auch noch alle Teams pas­send zum Team­na­men verkleidet. 

Ich habe mich mit einem Freund zusam­men­ge­tan und wir haben uns als Bier-Sol­da­ten ver­klei­det. Unse­rer Geweh­re bestan­den aus zusam­men­ge­kleb­ten Fla­schen, Bier­do­sen dien­ten als Muni­ti­ons­gür­tel. Den Helm haben wir schon früh im Ren­nen ver­lo­ren, des­we­gen ist er nicht auf den Fotos. 

Gewon­nen haben wir das Ren­nen lei­der nicht, wenn ich mich recht erin­ne­re, sind wir aber unter den Top 3 von 20 Teams gelan­det. Die Gewin­ner haben übri­gens ein Cand­le-Light-Din­ner gewon­nen, wel­ches direkt nach dem Ren­nen statt­ge­fun­den hat.

Das zwei­te Semes­ter war von die­sen groß­ar­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen gespickt und ich habe mich ab da super wohl in Hor­sens gefühlt. Die­se Ver­an­stal­tun­gen sind sehr gut, um ande­re Stu­den­ten von ande­ren Pro­gram­men ken­nen­zu­ler­nen, da jeder auch gleich sehr offen gegen­über neu­en Bekannt­schaf­ten ist. 

Besonderheiten des Studiums

Eine der Sachen, die mir auf der Bil­dungs­mes­se ver­spro­chen wur­den, als ich mich für das Stu­di­um in Hor­sens ent­schie­den habe, war die prak­ti­sche Aus­rich­tung des Stu­di­ums. Das war sogar einer der ent­schei­den­den Fak­to­ren, wes­we­gen ich mich immer auf die­se Akti­vi­tä­ten gefreut habe. Nach nun meh­re­ren Mona­ten in Däne­mark habe ich von die­ser prak­ti­schen Aus­rich­tung lei­der nicht all­zu viel mit­be­kom­men. Es wur­den zwar ver­schie­de­ne Exkur­sio­nen im Lau­fe des ers­ten Semes­ters geplant, ein paar davon sind aber ins Was­ser gefal­len und die, die tat­säch­lich statt­ge­fun­den haben, waren Fir­men­be­su­che, wo wir den hal­ben Tag in einem Mee­ting­raum saßen und einer Prä­sen­ta­ti­on des Unter­neh­mens gefolgt sind. Nach fast einem Jahr wur­de das alles aber end­lich ein wenig inter­es­san­ter. Mit dem Geo­lo­gie-Kurs sind wir die däni­sche Küs­te her­un­ter­ge­fah­ren und haben uns ver­schie­de­ne Steil­klip­pen ange­guckt, um die ver­schie­de­nen geo­lo­gi­schen Schich­ten zu ana­ly­sie­ren und die­se auf ihre Sta­bi­li­tät und Zusam­men­set­zung zu testen. 

Danach fin­gen auch ver­schie­de­ne pas­sen­de Work­shops in der Uni an, wel­che beglei­tend zu den Kur­sen lie­fen. Pas­send zu Kur­sen wie z.B. Gebäu­de­ver­sor­gung, hat­ten wir kur­ze Klemp­ner- und Schwei­ßer-Kur­se, bei denen wir Abwas­ser­sys­te­me an einer Wand ver­le­gen muss­ten oder Roh­re Ver­schwei­ßen durften.

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Ein Stadtteil nach unseren Vorstellungen

Eine zwei­te Sache, die uns vor Beginn des Stu­di­ums ver­spro­chen wur­de, war, dass man wäh­rend des kom­plet­ten Stu­di­ums an Pro­jek­ten aus dem rich­ti­gen Leben arbei­ten kann und so gut auf das spä­te­re Berufs­le­ben vor­be­rei­tet wird. Wäh­rend wir im ers­ten Semes­ter noch ein Design für ein Gebäu­de frei erfin­den durf­ten, wur­de uns im zwei­ten Semes­ter ein etwa 3km2 gro­ßes Stück Land außer­halb Hor­sens zuge­teilt, auf dem wir die Infra­struk­tur einer neu­en Wohn­sied­lung ent­wer­fen soll­ten. Das Inter­es­san­te hier war, dass wir das Stück Land besu­chen konn­ten und mit­hil­fe von eigens genom­me­nen Boden­pro­ben die­sel­ben Schrit­te durch­lau­fen sind, die auch eine Fir­ma machen wür­de, wenn sie die­ses Pro­jekt erhal­ten hät­te. Im Geo­lo­gie-Labor haben wir die­se Pro­ben ana­ly­siert und dar­auf basie­rend unse­re Stra­ßen­fun­da­men­te aus­ge­wählt. Das Pro­jekt hat sich sehr real ange­fühlt und hat mir unheim­lich Spaß gemacht. 

Da es so vie­le prak­ti­sche Aspek­te in die­sem Stu­di­um gibt, bekommt theo­re­ti­sche Arbeit auto­ma­tisch einen deut­lich klei­ne­ren Anteil. Das lässt sich beson­ders in den Prü­fun­gen sehen. Freun­de von mir, die das­sel­be z.B. in Frank­reich stu­die­ren, wo das kom­plet­te Stu­di­um deut­lich alt­mo­di­scher auf­ge­baut ist, haben ande­re Erfah­run­gen mit den Pro­jek­ten und Prü­fun­gen gehabt. Wenn in Hor­sens z.B. die Prü­fung für eines der schwers­ten Fächer wie Sta­tik ansteht, geht es vor allem dar­um, das Kon­zept der Rech­nun­gen zu ver­ste­hen und es gut erklä­ren zu kön­nen. Wo in Frank­reich vier Stun­den lang in kom­plet­ter Stil­le mit einem Stift und Taschen­rech­ner Auf­ga­ben auf Papier gelöst wer­den, hat man in Däne­mark eher einen 15-minü­ti­gen Dia­log über Din­ge, die man im Semes­ter gelernt haben soll­te und anhand dar­an, wie man die­se Din­ge ver­steht, erhält man sei­ne Note.

Endlich eigenes Geld verdienen

Nicht nur bin ich am Anfang des zwei­ten Semes­ters end­lich in eine schö­ne Woh­nung umge­zo­gen, ich habe auch Arbeit gefun­den. Nach­dem die kom­plet­te Büro­kra­tie mit der däni­schen per­sön­li­chen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer und einem däni­schen Kon­to nach meh­re­ren Mona­ten end­lich hin­ter mir lag, konn­te ich mich bei Fir­men für einen Stu­den­ten­job bewer­ben. Da ich zu die­sem Zeit­punkt kaum Dänisch gelernt hat­te und erst im zwei­ten Semes­ter mei­nes Stu­di­ums war, hat sich das aber als schwe­rer her­aus­ge­stellt als zuerst ange­nom­men. Arbeit in Cafés oder Restau­rants ist in solch einer klei­nen Stadt schwer zu fin­den, beson­ders wenn man sich nicht mit den Ein­hei­mi­schen unter­hal­ten kann. Das­sel­be Pro­blem gab es auch bei den Inge­nieurs­fir­men, wo mir einer­seits die Däni­sche Spra­che und ande­rer­seits auch feh­len­des Wis­sen und Erfah­run­gen einen Strich durch die Rech­nung gemacht haben. Nach ein paar Wochen hat­te ich dann aber doch Glück.

Die Trendhim-Saga beginnt

Ein unschein­ba­res Aus­schrei­ben an der Job-Wand im Gang mei­ner Uni hat die Auf­merk­sam­keit eines Freun­des von mir geweckt. Er hat mir emp­foh­len, mich dort zu bewer­ben, da ich doch Deutsch als Mut­ter­spra­che habe. Auf dem Pla­kat wur­de nach einem Online-Mar­ke­ting-Mar­ke­teer gesucht. Zu dem Zeit­punkt hat­te ich kei­ne Ahnung, was das über­haupt bedeu­tet. Nach kur­zem Über­le­gen ist mir aber auf­ge­fal­len, wie weni­ge Deut­sche ich bis jetzt in Hor­sens ken­nen­ge­lernt hat­te. Das könn­te bedeu­ten, dass es wahr­schein­lich nicht all­zu vie­le Kon­kur­ren­ten für die Stel­le gibt.

Kurz danach habe ich auch schon gleich mei­ne Bewer­bung abge­schickt und wur­de fast umge­hend zu einem Bewer­bungs­ge­spräch ein­ge­la­den. Da hat sich dann her­aus­ge­stellt, dass man nicht nur Deutsch, son­dern auch Öster­rei­chisch von mir erwar­tet, damit ich für bei­de Märk­te ein­ge­setzt wer­den kann. Da ich den Job sehr ger­ne haben woll­te und es eh nie­mand kon­trol­lie­ren kann, ob ich Hoch­deutsch oder mit öster­rei­chi­schem Dia­lekt spre­che, habe ich denen ein­fach ver­si­chert, dass ich auch Öster­rei­chisch spre­chen kann, da ich doch mal als Ski­leh­rer gear­bei­tet habe. Das mit dem Ski­leh­rer war kei­ne Lüge, das Öster­rei­chisch schon. 

Die Stel­le habe ich letzt­end­lich bekom­men und mei­ne wun­der­ba­ren 3 Jah­re bei Trend­him haben in der Mit­te mei­nes zwei­ten Semes­ters begon­nen. Mit der Zeit wur­de das Team deut­lich umge­krem­pelt und ich habe immer mehr Her­aus­for­de­run­gen und Ver­ant­wor­tung bekom­men. Selbst eine halb­jäh­ri­ge Pau­se wegen mei­nes Prak­ti­kums waren kein Pro­blem und ich konn­te anschlie­ßend wie­der bei Trend­him wei­ter­ma­chen, als wäre ich nie weg gewesen. 

SU – Das beste was Studenten jemals passiert ist

Mit dem ers­ten Job kam auch end­lich die finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit. Laut dem däni­schen Gesetz steht jedem Stu­den­ten in Däne­mark, der min­des­tens 43 Stun­den im Monat arbei­tet, die Stu­den­ten­för­de­rung „SU“ zu – 800 Euro monat­li­che För­de­rung vom däni­schen Staat. Die­ses Geld muss nicht zurück­ge­zahlt wer­den und mit dem Min­dest­lohn von 16 Euro lässt es sich dort als Stu­dent her­vor­ra­gend leben. Von nun an konn­te ich end­lich ein wenig rum­rei­sen, zu Ver­an­stal­tun­gen und Kon­zer­ten gehen, und gene­rell ein wenig aus­schwei­fen­der leben. Ich bin mit Freun­den zu Fuß­ball­spie­len mei­ner Stadt gegan­gen, habe Kurz­rei­sen in ande­re däni­sche Städ­te unter­nom­men und eini­ge Rei­sen für den Som­mer gebucht. 

Aller Anfang ist schwer

Das ers­te Semes­ter war defi­ni­tiv nicht ein­fach. Auch wenn wir viel Spaß hat­ten, ich vie­le Freun­de gefun­den habe und alles noch sehr auf­re­gend war, gab es meh­re­re Unan­nehm­lich­kei­ten und eini­ge Hür­den zu nehmen. 

Einer­seits war dort die sprach­li­che Hür­de, vor der ich von Anfang an ein wenig Respekt hat­te. Auch wenn ich durch mei­ne Zeit in den USA einen gro­ßen Wort­schatz auf­ge­baut habe und ans Eng­li­sche gewöhnt war, ist es doch noch­mal was ganz ande­res, kom­pli­zier­te Mathe­ma­ti­sche und Phy­si­ka­li­sche Theo­rien auf Eng­li­scher Spra­che wirk­lich zu ver­ste­hen. Die­se Angst hat sich auch am Anfang des ers­ten Semes­ters gleich bewahr­hei­tet. Zum Bau­in­ge­nieur­we­sen gehö­ren auch Sta­ti­sche Berech­nun­gen von Stahl- und Beton­kon­struk­tio­nen, mit wel­chen ich vor Däne­mark noch nie in Kon­takt gekom­men bin. Wäh­rend ande­re in mei­nen Kur­sen bereits einen Abschluss in einem ähn­li­chen Gebiet in der Tasche hat­ten oder ein Gym­na­si­um zur Vor­be­rei­tung auf Inge­nieurs­stu­di­en­gän­ge besucht haben, stand ich mit mei­nem Wis­sen ganz am Anfang und habe nur die Hälf­te der Vor­le­sun­gen verstanden.

Glück­li­cher­wei­se hat man in Däne­mark eine rela­tiv enge „Bezie­hung“ zu den Pro­fes­so­ren (ver­gleich­bar mit dem deut­schen Abi und den Leh­rern dort), und die schwa­chen Resul­ta­te in den Haus­ar­bei­ten sind mei­nem Pro­fes­sor auf­ge­fal­len. Er hat mir und auch ande­rem im Kurs, die Pro­ble­me hat­ten, dann extra Stun­den gege­ben, die mir echt enorm gehol­fen haben.

Der Wohnungs-Horror fängt jetzt erst richtig an

Wäh­rend ich in der Uni lang­sam die Kur­ve bekom­me, geht es in mei­ner Woh­nung nur berg­ab. Einer mei­ner Zim­mer­ge­nos­sen arbei­tet Nacht­schich­ten von Mit­ter­nacht bis 6 Uhr mor­gens, man kann sich also nur in abso­lu­ter Stil­le zwi­schen 16 Uhr nach­mit­tags und Mit­ter­nacht im Zim­mer auf­hal­ten, um ihn nicht auf­zu­we­cken und mor­gens um 6 wird man wach, wenn er von der Arbeit kommt. Einer im Zim­mer schnarcht immer und ich lebe nach Wochen immer noch aus mei­nem Kof­fer, den ich unter mei­ner Matrat­ze auf­be­wah­re. Der Rest der Woh­nung war auch nicht sehr ein­la­dend und Ich habe im ers­ten Semes­ter letzt­end­lich mehr Zeit auf dem Cam­pus ver­bracht als erwar­tet. Die Stim­mung in der Woh­nung war sehr gereizt und es kam immer wie­der zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Schon nach weni­gen Wochen war mir klar, dass ich da nicht län­ger blei­ben möch­te und habe mich gegen Ende des ers­ten Semes­ters mit einem Freund aus mei­nem Kurs in der Stadt nach einer neu­en Woh­nung umge­guckt. Da Umzie­hen rela­tiv viel Geld kos­tet und ich bis dahin noch arbeits­los war, woll­te ich aber sicher­ge­hen, dass das mein ers­ter und letz­ter Umzug in Hor­sens sein wird. Für 2 Mona­te habe ich mit mei­nem Freund Woh­nun­gen ange­schaut bis wir am Anfang des zwei­ten Semes­ters end­lich eine bezahl­ba­re und gro­ße 3 Zim­mer Woh­nung fin­den konnten. 

Endlich angekommen und glücklich

Und die­se Woh­nung hat­te es in sich. 90m2 mit­ten in der Innen­stadt, ein Zim­mer für jeden und ein Wohn­zim­mer in dem man end­lich rich­tig Spaß haben konnte. 

Dort war sogar so viel Platz, dass wir uns einen Bil­lard­tisch ins Wohn­zim­mer stel­len konn­ten, ohne ande­re Möbel raus­zu­schmei­ßen. Nicht nur haben wir uns super mit dem Ver­mie­ter ver­stan­den, wir hat­ten auch bei­de die­sel­be Vor­stel­lung davon, was wir aus der Woh­nung machen wol­len. Der Ein­zug in die neue Woh­nung hat nun den Start­schuss für vie­le Fei­ern und Abend­essen mit Freun­den gege­ben, und wir hät­ten bei­de (Ich und mein Mit­be­woh­ner) nicht glück­li­cher sein können.

Fazit

Gib nicht gleich auf, wenn in den ers­ten Wochen und Mona­ten nicht alles so läuft wie man es sich zuerst vor­ge­stellt hat. Bei mir hat es auch gan­ze 8 Mona­te gedau­ert bis ich end­lich glück­lich mit mei­ner Woh­nung gewor­den bin. Und ein klei­ner Tipp, der mir und mei­nem Mit­be­woh­ner gehol­fen hat, den Ver­mie­ter zu über­zeu­gen: Als ein­zi­ge der ca. 30 Inter­es­sen­ten für die Woh­nung sind wir bei­de in unse­ren feins­ten Anzü­gen gekom­men, nur damit er sich an uns nach allen Besich­ti­gun­gen erin­nert. Das war letzt­end­lich der aus­schlag­ge­ben­de Punkt bei der Ver­ga­be, es mag aller­dings nicht immer funktionieren.

Photo by Stephan Mahlke on Unsplash

Einführungswoche – 5 Tage Programm

Die ers­te Woche in mei­ner neu­en Hei­mat war sehr inten­siv. Wäh­rend der Ein­füh­rungs­wo­che haben die Pro­fes­so­ren schon in der Mit­tags­pau­se däni­sches Bier ser­viert und abends ging es mit aller­lei Ver­an­stal­tun­gen wei­ter. Ein Geburts­tag, Woh­nungs­ein­wei­hun­gen, Grill­fes­te, Stu­den­ten­bar­eröff­nung und ein tra­di­tio­nel­les zwei­tä­gi­ges Mit­tel­al­ter­fes­ti­val im Her­zen der Stadt, haben kaum Platz zum Schla­fen und Kof­fer­aus­pa­cken gelassen. 

Dänische Direktheit und Wassertürme

Ein Merk­mal der Dänen, das sich durch mei­ne kom­plet­te Aus­lands­stu­di­ums-Erfah­rung zieht, ist der infor­mel­le Umgang der Dänen mit ande­ren Leu­ten. Egal ob es dein Pro­fes­sor, der Direk­tor der Uni­ver­si­tät, dein direk­ter Vor­ge­setz­ter oder der CEO eines Bil­lio­nen-Euro-Kon­zerns ist, man spricht sich mit dem Vor­na­men an, als ob man sich schon seit Jah­ren kennt. Von der deut­schen „Steif­heit“ beim Umgang mit Frem­den oder Höher­ran­gi­gen ist hier nichts zu fin­den, obwohl Hor­sens gera­de mal 150 Kilo­me­ter hin­ter der Gren­ze liegt. Vom ers­ten Tag an habe ich mei­ne Pro­fes­so­rin mit Dor­te ange­spro­chen und bis zum 3. Semes­ter kann­te ich Ihren Nach­na­men nicht mal. In der Ein­füh­rungs­wo­che waren unse­re zwei Pro­fes­so­ren auch eher wie Freun­de oder Men­to­ren zu uns Erst­se­mes­tern. Neben ver­schie­dens­ten Akti­vi­tä­ten, um den Cam­pus ken­nen­zu­ler­nen, haben wir auch an unse­rem ers­ten „Inge­nieurs­pro­jekt“ gear­bei­tet. Das Ziel war die Kon­struk­ti­on eines Was­ser­turms aus dün­nen Holz­stäb­chen, wel­cher anschlie­ßend einen Was­ser­ei­mer tra­gen muss­te. Das Team mit dem Was­ser­turm, der das meis­te Was­ser im Eimer tra­gen konn­te, hat gewonnen.

Der Was­ser­turm mei­nes Teams war zwar nicht der schöns­te und sta­bils­te, Spaß hat es aber trotz­dem gemacht. Wäh­rend des Wett­be­werbs haben wir dann auch küh­les Bier mit unse­ren Pro­fes­so­ren genossen.

Zurück im Mittelalter, und anderes Sehenswertes

Gleich in mei­ner ers­ten Woche in Däne­mark fand ein gro­ßes Mit­tel­al­ter­fes­ti­val statt. Besu­cher aus ganz Däne­mark kom­men dort für ein Wochen­en­de nach Hor­sens und schau­en mit­tel­al­ter­li­chen Tän­zen, Lan­zen­kämp­fen und Wett­be­wer­ben im Rin­gen zu, wäh­rend rund um den Ver­an­stal­tungs­ort däni­sche Spe­zia­li­tä­ten ver­speist und getrun­ken wer­den. Mein per­sön­li­cher Favo­rit ist der Honig­schnaps mit einem ähn­li­chen Alko­hol­ge­hallt wie Wein, der in klei­nen Ton­be­chern ser­viert wird. Die­se Zeit haben wir auch genutzt, um die Stadt ein wenig bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Mit mei­nen Kom­mi­li­to­nen haben wir die ers­ten Grill­aben­de am „Troll Strand“ von Hor­sens gefei­ert und uns sogar zum Schwim­men in den küh­len Hor­sens Fjord gewagt. 

„Tro­els the Troll“ by Tine
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Troels_The_Troll,_Horsens.jpg
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https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Der Strand heißt übri­gens Troll-Strand, da dort meh­re­re Über­gro­ße Troll-Sta­tu­en ver­teilt sind. Genau wie auch die berühm­te Meer­jung­frau in Kopen­ha­gen, leh­nen sich die­se Figu­ren an Mär­chen von Hans Chris­ti­an Ander­sen an, eine natio­na­le Iko­ne Dänemarks. 

Goodbye Deutschland – auf zum Nachbarn

Nach Mona­ten auf Aus­bil­dungs­mes­sen, Ori­en­tie­rungs­ver­an­stal­tun­gen, Tagen der offe­nen Tür und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen in mei­nem letz­ten Halb­jahr vor dem Abi konn­te ich mich end­lich für ein Stu­di­um und einen Stand­ort ent­schei­den. Am Ende fiel mei­ne Wahl auf den Stu­di­en­gang „Civil Engi­nee­ring“, was dem Deut­schen „Bau­in­ge­nieurs­we­sen“ gleich­steht. Der Stand­ort erschien vie­len in mei­nem Umfeld ein wenig unge­wöhn­lich und ich muss­te mich vor Freun­den und Fami­lie oft ein recht­fer­ti­gen. Im August 2016, ein Jahr nach mei­nem Abi, ging es in die däni­sche Hafen­stadt Horsens. 

„ Hor­sens — gåga­den“ by I, Hubertus45
https://de.wikipedia.org/wiki/Horsens#/media/Datei:Horsens_-_g%C3%A5gaden.jpg
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http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Mit knapp unter 60.000 Ein­woh­nern ist Hor­sens für vie­le ein unbe­kann­ter Fleck auf der Land­kar­te. Über­zeugt hat es mich aller­dings mit einem sinn­vol­len Cur­ri­cu­lum (kom­plett auf Eng­lisch), ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Mie­ten und der Nähe zum Was­ser. Egal wo du wohnst, es dau­ert nie mehr als 5 Minu­ten mit dem Rad zum nächs­ten Hafen­be­cken oder zum Strand.

Mein persönlicher Fehlstart

Nun ein wenig mehr zu mei­nem tat­säch­li­chen Start in Däne­mark. Der hät­te von Stress und Fehl­pla­nung gar nicht genug haben kön­nen. Um mich vor­weg schon­mal in Schutz zu neh­men: Vie­le die­ser Pro­ble­me sind auf eine 4‑monatige Rei­se zurück­zu­füh­ren, die ich direkt vor mei­nem Stu­di­en­start in Hor­sens been­det hat­te (und natür­lich mei­ne eige­nen Ver­säum­nis­se). Mit­te Juli ging es nach 4 Mona­ten in Asi­en zurück in die Hei­mat, wo ich noch 4 Wochen zur Vor­be­rei­tung auf mei­nen Stu­di­en­start hat­te. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te ich weder eine Woh­nung noch ein Eng­lisch-Zer­ti­fi­kat, um mei­ne Imma­tri­ku­la­ti­on voll abzu­schlie­ßen. Wäh­rend der Rei­se hat mich die Uni schon mehr­mals dar­auf hin­ge­wie­sen die­ses Zer­ti­fi­kat nach­zu­wei­sen. Mit mei­nem jugend­li­chen Leicht­sinn habe ich aber ver­sucht mei­nen 1‑jährigen Aus­lands­auf­ent­halt in den USA als „offi­zi­el­les Eng­lisch­zer­ti­fi­kat“ zu ver­kau­fen (was natür­lich nicht geklappt hat). Glück­li­cher­wei­se bot die Uni ein „On-Cam­pus“ Eng­lisch­test für die an, die bis dahin alle Mög­lich­kei­ten ver­schla­fen hat­ten. Die­ser Test fand nicht mal zwei Wochen vor dem offi­zi­el­len Stu­di­en­start statt, was es zu einer Alles-oder-Nichts Situa­ti­on gemacht hat. Soll­te ich durch­fal­len, kann ich gleich wie­der nach­hau­se fahren.

Der Wohnungshorror

Dann zu mei­nem zwei­ten Ver­säum­nis. Auf­grund der Unge­wiss­heit, wie es mit dem Eng­lisch­zer­ti­fi­kat aus­geht, habe ich die Woh­nungs­su­che so lan­ge auf­ge­scho­ben, bis ich ein fina­les „Okay“ hat­te. Am Wochen­en­de des Tests bin ich das ers­te Mal nach Hor­sens gefah­ren und habe da das ers­te Mal wirk­lich nach einer Blei­be geguckt. Da der Stu­di­en­start kurz bevor­stand, waren zu die­sem Zeit­punkt alle Stu­den­ten­wohn­hei­me aller­dings schon aus­ge­bucht und ich war auf das ers­te Zim­mer­an­ge­bot ange­wie­sen, das mir in die Fin­ger kam. Am sel­ben Wochen­en­de des Tests konn­te ich glück­li­cher­wei­se gleich eine Woh­nungs­be­sich­ti­gung orga­ni­sie­ren. Da ich zu sehr unter Zeit­druck stand, habe ich das Ange­bot auch gleich ange­nom­men, ohne rich­tig zu rea­li­sie­ren, unter wel­chen Bedin­gun­gen ich gera­de den Ver­trag unter­schrie­ben habe. Bei dem Zim­mer han­delt es sich um ein geteil­tes Zim­mer mit 2 wei­te­ren Stu­den­ten. Bei genü­gen­der Zim­mer­grö­ße wäre das theo­re­tisch nicht all­zu unbe­quem, das Zim­mer hat­te aller­dings nur 16 m². Das bedeu­tet, dass neben den drei Bet­ten nicht mal Platz für einen Schrank da war. Mehr zu mei­nen Erfah­run­gen aus die­ser Woh­nung fol­gen in den nächs­ten Beiträgen 😉

Mein Rat an alle, die gerne im Ausland studieren möchten:

Besorgt euch ein TOEFL oder Cam­bridge Cer­ti­fi­ca­te (oder ein ähn­lich ver­brei­te­tes Eng­lisch-Zer­ti­fi­kat) so früh wie mög­lich, um von Anfang an die Gewiss­heit zu haben, dass ihr den Bewer­bungs­pro­zess über­steht. Und war­tet nicht mit der Woh­nungs­su­che. Erspart euch über­teu­er­te und unbe­que­me Woh­nun­gen, indem ihr euch schon meh­re­re Mona­te vor Stu­di­en­start infor­miert und ggf. etwas reser­viert, falls die Bewer­bung noch nicht kom­plett abge­schlos­sen ist. 

Blogger-Steckbrief: Bendix

Name: Ben­dix
Alter: 23
Her­kunfts­ort: Ham­burg

Wo machst du dei­nen Aus­lands­auf­ent­halt? In der Klein­stadt Hor­sens in Däne­mark. Das 55.000 See­len Städt­chen liegt an der Ost­küs­te, direkt am Hor­sens Fjord.
Was machst du da? Ich habe in Hor­sens ein 3,5‑jähriges Voll­zeit Civil Engi­nee­ring Bache­lor­stu­di­um ange­fan­gen und abge­schlos­sen.
Von wann bis wann? Von August 2016 bis Janu­ar 2020

Wieso hast du dich für diesen Auslandsaufenthalt entschieden?

Ich hat­te schon immer den Drang in ande­ren Län­dern zu leben. Nach einem High School Aus­tausch in den USA, einem hal­ben Jahr in Öster­reich und meh­re­ren Mona­ten auf Rei­sen war für mich klar: Das reicht mir noch nicht. Ich will auch mein Stu­di­um im Aus­land machen. 

Wie finanzierst du deinen Auslandsaufenthalt?

In Däne­mark kommt man als Stu­dent finan­zi­ell sehr gut auch unab­hän­gig von den Eltern über die Run­den. Das däni­sche Äqui­va­lent zu Bafög unter­stützt jeden Stu­den­ten einer däni­schen Uni aus der EU mit 800 Euro monat­lich. Der Min­dest­lohn liegt bei ca. 16 Euro, wenn man dann noch job­ben geht. Und mit wei­te­rer Unter­stüt­zung zum Bei­spiel durch Wohn­geld und Kin­der­geld, kann man als Stu­dent gut leben und gleich­zei­tig noch Geld anspa­ren oder viel verreisen.

Was sind deine Hobbies?

Mei­ne größ­te Lei­den­schaft ist das Ski­fah­ren und Ski­tou­ren­ge­hen. Da ich das aber nur weni­ge Wochen im Jahr machen kann, habe ich auch noch ande­re Hob­bys wie Schach­spie­len, Hockey, Bad­min­ton und fei­ern gehen. 

Was ist dein Lieblingsgericht?

Wäh­rend mei­ner Zeit in Däne­mark habe ich Kochen für mich ent­deckt und vie­le Gerich­te von mei­nen Rei­sen nach­ge­kocht. Beson­ders gefällt mir die malay­si­sche Küche mit ihren ver­schie­de­nen Reis­ge­rich­ten wie Nasi Lemak oder Nasi Goreng.

Wie liefen die Vorbereitungen für deinen Auslandsaufenthalt ab?

Mitt­ler­wei­le bin ich voll und ganz in Däne­mark ange­kom­men. Vor mei­nem Aus­lands­stu­di­um habe ich aber schon mit den Basics der däni­schen Spra­che ange­fan­gen und mich nach Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten und Face­book-Grup­pen umge­schaut, um direkt Anschluss zu finden.

Was musste auf jeden Fall mit in deinen Koffer?

Wenn ich zurück an mei­nen Umzug nach Däne­mark den­ke, gibt es ein paar Sachen bei denen ich sehr froh bin, sie mit­ge­nom­men zu haben. Einer­seits haben mir mei­ne Sport­sa­chen (Hockey- und Bad­min­ton­schlä­ger) gleich erlaubt, mich den Teams in Däne­mark anzu­schlie­ßen, was es sehr ein­fach gemacht hat, Anschluss zu fin­den. Da aller Anfang schwer ist, beson­ders wenn man das ers­te Mal wirk­lich aus dem Hei­mat­land weg­zieht, hat es mir außer­dem sehr gehol­fen, meh­re­re Andenken wie Foto­al­ben etc. mit­zu­neh­men. Die haben mich auf­ge­mun­tert, wenn es mal nicht so rei­bungs­los lief. 

Worauf hast du dich am meisten gefreut?

Am meis­ten habe ich mich damals auf die Frei­heit und Eigen­stän­dig­keit gefreut, die mit einem Neu­start in einem neu­en Land kom­men. Außer­dem habe ich mich sehr auf die vie­len unbe­kann­ten Fak­to­ren gefreut. Wo wer­de ich Arbeit fin­den? Was kann ich in der neu­en Stadt alles sehen und erle­ben? Wer­de ich schnell Freun­de finden?

Mit was für Schwierigkeiten hast du gerechnet?

Auf­grund mei­nes Aus­lands­auf­ent­hal­tes in den USA war die eng­li­sche Spra­che kei­ne Hür­de mehr. Ein kom­plet­tes Inge­nieurs-Bache­lor­stu­di­um auf Eng­lisch ist dann aber schon ein wenig schwe­rer als nor­ma­le Unter­hal­tun­gen mit Amerikanern. 

Dein Blog: Warum bloggst du, was willst du mitteilen? 

Vor zwei Jah­ren habe ich mei­nen eige­nen Blog eröff­net, auf dem ich über mei­ne Rei­sen und Erfah­run­gen in Däne­mark geschrie­ben habe. Auf­grund von Zeit­man­gel muss­te ich ihn aber ein­stel­len. Jetzt möch­te ich hier die Mög­lich­keit nut­zen, mei­ne Erfah­run­gen noch­mal Revue pas­sie­ren zu las­sen und mit ande­ren zu teilen.

Was erwartet die Leserinnen und Leser in den nächsten Wochen und Monaten auf deinem Blog?

Vie­le Tipps, Tricks und Erfah­rungs­be­rich­te, wie man sein Aus­lands­se­mes­ter oder Aus­lands­stu­di­um span­nend gestal­ten kann und wie man es sich ein­fa­cher machen kann. Außer­dem möch­te ich über die Din­ge schrei­ben, über die man sich umsonst den Kopf zer­bricht und was wirk­lich zählt, wenn man sich für solch einen Schritt im Leben entscheidet. 

Filmreise durch Tansania

Tan­sa­nia — das geweih­te Land von Sim­ba und Mufa­sa, Savan­ne soweit das Auge reicht. Die­se Vor­stel­lung hat­te ich, als ich die Zusa­ge für ein Deutsch-Tan­sa­ni­sches Doku­men­tar­film­pro­jekt bekam. Doch es soll­te anders kommen…

Die Rei­se begann in Dar­es­sa­lam, der größ­ten Stadt Tan­sa­ni­as direkt an der Küs­te zum indi­schen Oze­an. Wir, alles jun­ge Leu­te aus Deutsch­land und Tan­sa­nia, kamen im „Tif­fa­ny Dia­mond Hotel“ unter. Der Name des Hotels war wirk­lich Pro­gramm, die gan­ze Lob­by glit­zer­te und fun­kel­te. Alles super schick, nur die Bil­der an den Wän­den waren alle schief.

Mit einem win­zi­gen Rei­se­bus, der sei­ne bes­ten Tage schon hin­ter sich hat­te, ging es am nächs­ten Tag los nach Dodo­ma, der Haupt­stadt Tan­sa­ni­as. Das Ein­la­den der Kof­fer glich dem Spiel „Tetris“ und ich weiß bis heu­te nicht, wie wir alle in den Bus gepasst haben. Die Fahrt nach Dodo­ma dau­er­te einen gan­zen Tag lang, aber durch das Fens­ter konn­te ich eini­ges vom Land sehen. Vie­le Men­schen saßen drau­ßen vor ihren Häu­sern oder Ver­kaufs­stän­den und sobald der Bus anhielt, wur­de ver­sucht, uns Bana­nen oder Nüs­se zu ver­kau­fen. Ein­mal wur­den wir sogar von der Poli­zei ange­hal­ten und muss­ten Geld bezah­len. Natür­lich nur, weil eini­ge nicht ange­schnallt waren und nicht, weil der Bus vol­ler euro­päi­scher Men­schen war. 

Die Unter­kunft in Dodo­ma, das „Fan­ta­sy Resort“ hät­te auch ein ver­las­se­ner Spaß­park aus einem Hor­ror­film sein kön­nen. Kei­ne Gäs­te außer unse­rer Grup­pe, ein Spring­brun­nen aus Del­phi­nen, der nicht lief, Dis­ney­mu­sik am men­schen­lee­ren Pool, schon alles ein biss­chen gru­se­lig. Tat­säch­lich aber dien­te das Resort als Wochen­en­dort für Fami­li­en aus der Stadt. Mit Kin­dern auf dem Spiel­platz und Men­schen im Pool wirk­te alles dann doch nicht so schlimm. 

Ein tol­les Erleb­nis war der Besuch eines Mark­tes in Dodo­ma. Kunst­voll dra­pier­tes Obst und Gemü­se, neue Gerü­che und Geräu­sche, in die­sem Moment hat­te ich zum ers­ten Mal das Gefühl, ange­kom­men zu sein. Auf dem Markt gab es alles, von Schmuck über Bleich­mit­tel als Body­lo­tion für „tol­le Haut“, Radi­os und Klei­dung war alles dabei. 

Nach eini­gen Tagen ging der Film­dreh los. Das The­ma unse­rer Doku ist second-hand Klei­dung und unser Haupt­dreh­ort der Markt „Saba­sa­ba“. Um vor Ort dre­hen zu dür­fen, muss­ten wir uns per­sön­lich beim Markt­ma­na­ger vor­stel­len. In einer klei­nen, dunk­len Blech­hüt­te am Rand des Mark­tes saßen wir wie die Hüh­ner auf der Stan­ge und gaben uns den kri­ti­schen Fra­gen des Mana­gers hin. Das beson­de­re an ihm- er ist ein Albi­no. Spä­ter lern­ten wir, dass Albi­nos in Tan­sa­nia oft von „Hei­lern“ ver­folgt und getö­tet wer­den, um ihre Kno­chen zu Heil­trän­ken zu ver­ar­bei­ten. Daher wer­den Albi­nos von ihren Mit­men­schen stark beschützt und geachtet. 

Das Dre­hen stell­te sich schwie­ri­ger her­aus als gedacht. Vie­le der Ver­käu­fer waren kri­tisch, denn sie hat­ten schlech­te Erfah­run­gen mit wei­ßen Men­schen und Kame­ras gemacht. Eini­ge der Ver­käu­fer mein­ten, dass Wei­ße oft in die Märk­te kämen, und die Arbeit und das Leben der Ein­hei­mi­schen als „Armut“ dar­stel­len, um die Auf­nah­men an NGOs zu ver­kau­fen. Eine wich­ti­ge Sache, die ich gelernt habe, ist: Nichts ist bes­ser oder schlech­ter, es ist nur anders. Nur weil vie­le Men­schen in Tan­sa­nia weni­ger Geld haben als der Durch­schnitts­deut­sche, heißt es nicht, dass sie weni­ger glück­lich sind. Ich war froh Joy­ce dabei­zu­ha­ben, eine unglaub­lich enga­gier­te Tan­sa­nie­rin, die unser Vor­ha­ben den Ver­käu­fern erklä­ren konn­te und das Ein­ver­ständ­nis ein­hol­te. Sobald die Prot­ago­nis­ten ver­stan­den hat­ten, dass mein Team und ich nur Stu­den­ten sind, die einen Film dre­hen, waren sie sehr offen und gast­freund­lich und wir haben viel zusam­men gelacht. 

Teil der Rei­se war auch ein Kurz­trip nach San­si­bar. Auch hier wur­de schnell klar, dass die Rea­li­tät ganz anders aus­sieht als auf Insta­gram, wo alle nur die schöns­ten Ecken der Insel zei­gen. Unse­re Unter­kunft war umge­ben von her­un­ter­ge­kom­me­nen Plat­ten­bau­ten, ein Über­bleib­sel aus DDR-Zei­ten. Der Grund unse­res Trips nach San­si­bar war der Besuch des ältes­ten Fern­seh­sen­ders Ost­afri­kas und eines Film­fes­ti­val­bü­ros. Lei­der hat sich hier die tan­sa­ni­sche Ver­gess­lich­keit gezeigt — trotz Ankün­di­gung wuss­te in bei­den Fäl­len angeb­lich nie­mand mehr, dass wir einen Ter­min zur Besich­ti­gung hatten. 

Ein kuli­na­ri­sches High­light begeg­ne­te uns dafür auf einem Food­mar­ket in der Nähe von „Stone­town“. Nach Son­nen­un­ter­gang bau­en tan­sa­ni­sche Köche dort ihre Stän­de auf und backen „San­si­bar Piz­za“, ein Gericht aus zwei klei­nen, run­den Teig­schei­ben, gefüllt mit Gemü­se, Ei, Käse und ganz viel Mayo. Klingt außer­ge­wöhn­lich, ist es auch- aber ziem­lich lecker!

Obwohl ich den Anwei­sun­gen von „Haku­na Mata­ta“, Kis­wa­hi­li für „kein Sor­gen“ nicht ganz fol­gen konn­te und die Rei­se nach Tan­sa­nia mich vie­le Ner­ven und Trä­nen gekos­tet hat, möch­te ich nichts des Erleb­ten mis­sen. Ich habe ein Land erlebt, wie es wirk­lich ist und nicht, wie die geschön­te Social-Media-Welt es prä­sen­tiert. Ein Land vol­ler Über­ra­schun­gen, mit lie­ben, gast­freund­li­chen Men­schen und fas­zi­nie­ren­den Geschich­ten. Trotz der Tat­sa­che, dass es für mich statt Savan­ne nur Savan­na gab (ein echt lecke­rer Apfel­cid­re) und ich erfah­ren muss­te, dass Sim­ba ein­fach nur „Löwe“ auf Kis­wa­hi­li heißt, war es defi­ni­tiv eine Rei­se, die ich nie ver­ges­sen werde.